Blackout – Stromausfall der Extraklasse: Wenn in Deutschland die Lichter ausgehen

Deutschland ist auf einen bundesweiten Blackout nicht vorbereitet.
Zukünftig wird vermehrt mit terroristischen Angriffen auf das deutsche Stromnetz gerechnet. So könnten zum Beispiel Hackerangriffe die komplette Energieversorgung lahmlegen. © picture alliance / dpa, Frank Rumpenhorst

"Auf Katastrophen solchen Ausmaßes ist Deutschland nicht vorbereitet!"

Lampen gehen aus, Rolltreppen stehen still, im Fernsehen nur noch Schwarzbild – nichts geht mehr ohne Strom. Wenn es soweit kommt, herrscht ein totaler Blackout – ein Mega-Stromausfall. Und Deutschland ist nicht darauf vorbereitet. Zu dieser Erkenntnis kommt eine Studie des Büros für Technikfolgenabschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB).

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Die Untersuchung setzt ein Katastrophenszenario eines bundesländerübergreifenden, mehrwöchigen Stromausfalls voraus. "Bei solch einem Vorfall würde es nicht nur zu großen materiellen Schäden kommen, es wären auch Leib und Leben beeinträchtigt. Es würde viele Tote geben", sagt Doktor Thomas Petermann, federführender Experte bei der Studie. Der ehemalige stellvertretende Leiter des TAB sieht vor allem eine Blackout-Gefährdung für große Ballungsgebiete. Hier ist zukünftig die Ausfallwahrscheinlichkeit noch höher, da zu den herkömmlichen Ursachen, die zu einem Stromausfall führen, neue und unvorhersehbare Störungen von außen hinzukommen. Gemeint ist die Gefahr von terroristischen Übergriffen, die zum Beispiel in Form eines Hackerangriffes gezielt das deutsche Stromnetz lahmlegen könnten. Aber auch Wetterkatastrophen, die sich durch den Klimawandel verstärken, stellen eine zunehmende Gefahr für die Stabilität des Stromnetzes dar.

Bereits geringe Stromausfälle, von nur wenigen Tagen, verursachten in der Vergangenheit Kosten im mehrstelligen Milliardenbereich. Ein mehrwöchiger Stromausfall wäre demnach auch eine riesige wirtschaftliche Belastung für die Bundesrepublik. Die Studie sieht den Grund hierfür in der "vollständigen Durchdringung der Lebens- und Arbeitswelt mit elektrisch betriebenen Geräten". Die komplette Vernetzung hochempfindlicher Technologien mache es schwierig, einen Schadensübergriff zu vermeiden. Infrastrukturen wie Telekommunikation, Verkehr, Energie- und Gesundheitsversorgung seien eng miteinander verbunden und somit auch "hochgradig verletzbar".

Die Untersuchung ruft einen 'Ach-ja-Effekt' hervor, der deutlich macht, was alles mit Strom funktioniert – und ohne eben nicht. Es kommt in Fabriken zu einer Unterbrechung des laufenden Produktionsprozesses, der nicht immer, wie etwa in der Lebensmittelindustrie ohne weiteres fortzusetzen wäre. Im Straßenverkehr fallen nicht nur Verkehrsampeln und Warnschilder aus, auch U-und S-Bahnen bleiben stehen, Fahrstühle bleiben stecken. Die Verzweigung des modernen Stromnetzes zieht sich bis hinein in den privaten Haushalt. Von der Tiefkühltruhe bis zum Herd: An Kochen, Heizen und Kühlen ist ohne Strom nicht zu denken. "Das ist ein weitreichender Prozess, durch den die Abfolge des alltäglichen Wirtschaftens erheblich gestört wird.", fasst Petermann zusammen.

Informationsgesellschaft liegt brach

Der Experte sieht in dem Ausfall der Telekommunikation das Hauptproblem bei einem Blackout. Dadurch, dass Mobil- und Festnetztelefonie durch Überlastung nach kurzer Zeit zusammen brechen würden und das Internet somit auch nicht zu erreichen sei, müsse man auf "mittelalterliche Methoden der Kommunikation zurückgreifen", so der 64-Jährige. Da fast ausschließlich nur durch persönliche Gespräche geklärt werden könnte, wo welche Art von Hilfe gebraucht werde, sei unklar welche Güter benötigt würden. "Die Bedarfsseite liegt dadurch völlig im Dunkeln. Man kann einfach nicht hinein gucken in dieses schwarze Loch."

Die TAB-Studie warnt, dass vorhandene Notstromversorgungen hauptsächlich der Verständigung der Hilfskräfte und Behörden untereinander dienen würden und nicht für eine großflächige Kommunikation mit der Bevölkerung ausgelegt seien. Die Informationsarbeit für die betroffenen Bürger müssten hauptsächlich die Massenmedien übernehmen. Während große Zeitungsverlage über Notstromversorgungsmöglichkeiten verfügen und so ihren Betrieb zumindest einige Tage aufrecht erhalten könnten, liegt das Problem bei den Fernsehsendern eher auf der Nutzerseite. Denn auch, wenn die Rundfunkanstalten noch dazu in der Lage wären ihr Programm zu senden, könnten die Verbraucher dieses ohne Strom nicht empfangen. In dieser Situation kommt den Radiosendern eine besondere Informantenrolle zu, die als einziges Medium Nachrichten verbreiten können, die über batteriebetriebene Empfangsgeräte die Bevölkerung erreichen.

Als Lösung dieses Kommunikationsproblems schlägt die Studie die Einrichtung sogenannter Inselnetze vor. Diese punktuell eingerichteten Stromerzeuger sollten untereinander vernetzt die Versorgung der wichtigsten öffentlichen Einrichtungen, wie Krankenhäuser, gewährleisten. Durch die ausschließliche Nutzung regenerativer Energien würden sie ein Mindestmaß an Infrastruktur erhalten und so einem gesellschaftlichen Kollaps vorbeugen.

Marieke Reimann


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