Blitz-Marathon: 9.000 Radarfallen im ganzen Land – Abzocke oder sinnvolle Maßnahme?

Deutschland streitet über erste bundesweite Aktion

15.000 Polizisten machen erstmals bundesweit mit einem Blitz-Marathon 24 Stunden lang Jagd auf Temposünder. Insgesamt liegen die Polizisten an fast 9.000 Stellen in ganz Deutschland auf der Lauer. Um die zu erwischen, die rasen und nicht an den Blitz-Marathon denken – und um allgemein auf das Problem zu hoher Geschwindigkeit aufmerksam zu machen. Ist das nur Abzocke und autoritäre Volkserziehung oder sinnvolle Prävention?

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Deutschland streitet über erste bundesweite Aktion
Diesen Schreckmoment dürften beim bundesweiten Blitz-Marathon einige Autofahrer erleben. © dpa, Ronald Wittek

"Mit dem Blitzmarathon machen wir auf das Thema Rasen und dessen Gefahren aufmerksam", verteidigt Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger (SPD) die Maßnahme. In Nordrhein-Westfalen gibt es den Blitz-Marathon schon länger. Auch deshalb sei die Zahl der Verkehrstoten auf einen historischen Tiefstand gesunken, sagen die Befürworter wie der ADAC. Allerdings sollten die Polizisten Temposünder direkt auf ihr Fehlverhalten aufmerksam machen, um einen Lerneffekt zu erzielen.

Der Verein 'Mobil in Deutschland' steht der Aktion hingegen kritisch gegenüber. Der einzige Grund des Blitz-Marathons sei, die Staatskasse zu füllen.

Viele Befürworter der Aktion kritisieren, dass die Polizei die Standorte der Blitzer vorab veröffentlicht hat – auch die Nutzer von RTL Aktuell bei Facebook forderten vielfach, die Messpunkte nicht zu verraten. Den Behörden geht es nach eigenen Aussagen aber nicht darum, möglichst viele Bußgelder einzunehmen, sondern das Bewusstsein für Tempolimits zu schärfen. Damit könnten noch mehr Leben im Straßenverkehr gerettet werden, hieß es.

Polizeigewerkschaft: Mehr Abschreckung nötig

Die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) fordert anlässlich der Aktion schärfere Strafen für Raser. "Wir benötigen härtere Sanktionen zur Abschreckung. Unsere Buß- und Verwarngelder sind auch im EU-Vergleich unfassbar niedrig", sagte der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft, Rainer Wendt, den 'Ruhr Nachrichten'. Wer mit Tempo 100 in der verkehrsberuhigten Zone fahre, sollte seinen Führerschein sofort abgeben müssen und wie bei Trunkenheitsfahrten zu einer medizinisch-psychologischen Untersuchung verpflichtet werden.

Die Masse der Autofahrer in Deutschland verhält sich nach der Schilderung von Wendt sehr verantwortungsbewusst. "10 bis 15 Prozent sind aber hemmungslose Raser und bringen andere Menschen mit ihrer Rücksichts- und Gedankenlosigkeit in Gefahr", kritisierte er.

So ein Blitz-Marathon kann aber auch etwas Kurioses an sich haben: Lamas stoppten die Polizeikontrolle! In Krefeld und im 70 Kilometer entfernten Hückeswagen legten Lamas die Tempokontrollen kurzfristig lahm. Die Beamten mussten sich zunächst darum kümmern, die ausgebüxten Andentiere wieder einzufangen. Bußgelder drohen den Tieren jedoch nicht: Die Tempolimits gelten nämlich nur für Fahrzeuge.


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