Blutige Kämpfe in Syrien: "Die arabische Ehre gibt's nicht mehr"

10.02.2012 | 09:38
Syrien Eine Gruppe Oppositioneller bereitet sich auf einen Kampf vor.

Journalistin begleitet Rebellen

In der syrischen Protesthochburg Homs bahnt sich nach sechstägigem Dauerbeschuss eine humanitäre Katastrophe an. Der Nachrichtensender Al-Arabija meldete unter Berufung auf Regimegegner, landesweit seien am Donnerstag mindestens 126 Menschen von den Regierungstruppen getötet worden, allein 107 in Homs. Aktivisten baten um Hilfe vom Roten Kreuz und vom Roten Halbmond.

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Die Stadt ist umzingelt; Armeeposten kontrollieren alle Zugangsstraßen. Seit zehn Tagen konnten keine Lebensmittel mehr in die Stadt geliefert werden. Essen und Medikamente werden knapp. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt gehen auch die Heizölvorräte zur Neige. In ganz Homs gibt es nach Angaben von Aktivisten nur noch drei Ärzte, einer wurde durch Granatenbeschuss verletzt.

Doch auch die Kämpfer der Opposition gehen mit gezielten Vorstößen gegen die Armee vor. Die amerikanische Journalistin Clarissa Ward hat eine Gruppe Rebellen bei einem Angriff auf einen Kontrollposten begleitet:

Im normalen Leben sind sie Bauern oder einfache Arbeiter

Ein Pickup hat sie früh am Morgen an die Front gebracht. Ein letztes Mal checken sie ihre Waffen. Dann beginnen die Rebellen ihren Angriff auf einen Kontrollposten der syrischen Armee vor den Toren von Homs, der ihren Nachschub behindert.

Im normalen Leben sind sie Bauern oder einfache Arbeiter - viele sind militärisch unerfahren und jung - wie auch Fouad. Der 23-Jährige ist Mechaniker. Jetzt kämpft er an vorderster Front. "Ihr seid umzingelt", ruft der Rebellenführer dem Kontrollposten zu. "Kommt raus und schließt euch uns an!" Die Antwort: Schüsse.

Entschlossen, den Posten einzunehmen, setzen die Rebellen Handgranaten ein. Doch plötzlich wird ihr Vormarsch jäh gestoppt: Fouad ist getroffen. Verzweifelt versuchen sie ihn aus der Schusslinie zu bringen. Die Erstürmung scheitert. Jetzt kämpfen sie um Fouads Leben. Doch im Krankenhaus angekommen, ist er tot - so wie viele andere Kämpfer, die dort hingebracht werden. "Die arabische Ehre gibt es nicht mehr", sagt ein Rebelle und macht Assad dafür verantwortlich. "Er ist ein Hund", klagt eine Frau. "Assad ist nichts weiter als ein Hund!"

Als es Nacht wird, kommen die Familien, um ihre Väter, Söhne und Brüder zu beweinen. Dann, im Schutz der Dunkelheit, tragen sie die Toten zu Grabe.