Bodenfelde trauert um ermordete Teenager

Bodenfelde trauert um ermordete Teenager
© dpa, Stefan Rampfel

Trauerfeiern für Nina und Tobias

Die trauernden Menschen in Bodenfelde sind nach dem Doppelmord an Nina und Tobias noch immer wie gelähmt - doch so langsam wächst in dem südniedersächsischen Dorf auch die Wut angesichts der grausamen Verbrechen.

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Am Freitag trugen die Bewohner das 14-jährige Mädchen zu Grabe, am Samstag versammelten sich erneut mehrere Hundert Menschen vor der schlichten, kleinen Dorfkirche, um Abschied von Tobias zu nehmen.

Viele von ihnen, das ist an diesem kalten Novembertag deutlich spürbar, gelangen langsam ans Ende ihrer Kräfte. Die Gottesdienstbesucher - viele von ihnen Mitschüler und Freunde des 13-jährigen Jungen - stützen sich gegenseitig, sie halten sich weinend an den Händen und versuchen einander irgendwie Trost zu spenden.

Während bei der Beerdigung von Nina am Tag zuvor noch stumme Fassungslosigkeit herrschte, geben die Menschen ihrer Trauer am Samstag deutlich Ausdruck, immer wieder hört man Schluchzen und lautes Weinen in der Menge. Die Notfallseelsorger, die am Rand des Platzes bereit stehen, müssen immer wieder verzweifelte Trauernde betreuen, vereinzelt führen sie Jugendliche aus der Kirche.

Trauer und Hilflosigkeit

Sprechen will an diesem Samstag niemand in Bodenfelde. "Wir brauchen unsere Ruhe", heißt es vor und nach dem Gottesdienst, "wir reden nicht über die Taten." Der einzige, der sich an diesem Tag zur Situation im Dorf äußern will, ist der Bürgermeister Hartmut Koch. "In den vergangenen Tagen haben wir vor allem Trauer und Hilflosigkeit gespürt", sagt er. "Doch so langsam kommt Wut auf." Viele im Dorf fragten sich, ob die Morde nicht hätten verhindert werden können. "Für uns im Dorf ist es ganz wichtig, dass das Geschehene genau aufgearbeitet wird."

Auch der Pfarrer der Kirchengemeinde, Marc Trebing, spricht während der Trauerfeier von Wut und Hilflosigkeit. "Tobias ist aus der Achterbahnfahrt seines Lebens herausgerissen worden, und wir stehen fassungslos und verzweifelt an der Unglücksstelle", sagt er. In der hellen Kirche drängen sich die Menschen, es ist so voll, dass viele in der Eingangshalle stehen müssen. Im vorderen Kirchenschiff steht ein kleiner weißer Holzsarg, er ist über und über mit weißen Rosen bedeckt, daneben leuchten zahlreiche Kerzen. Worte des Trostes zu finden, fällt Trebing sichtbar schwer. "Keiner kann diese Taten verstehen", sagt er. "Aber unser Dorf rückt zusammen und trauert gemeinsam."

Nirgends im Ort ist am ersten Adventswochenende Weihnachtsbeleuchtung zu sehen, nach Feiern ist keinem zumute. "Das hat uns alle tief erschüttert", sagt einer der Polizisten am Rande des Trauerzuges. "Viele von uns sind selbst Familienväter. Da lässt einen so etwas nicht kalt." Die Menschen von Bodenfelde stehen Seite an Seite am Straßenrand und begleiten den Trauerzug mit einer Lichterkette. Viele halten stumm ihre Plakate mit einer Frage in die Höhe: "Warum?"


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