Boston-Verdächtiger wurde bereits 2011 vom FBI befragt

Das sind Dschochar und Tamerlan Zarnajew

Dschochar Zarnajew (19) und Tamerlan Zarnajew (26) - das Brüderpaar soll nach Angaben ihres Onkels, Ruslan Tsarni, Anfang 2003 aus Kirgisistan in die USA gekommen sein. Einer der mutmaßlichen Bombenleger, der 26-jährige Tamerlan, ist nach einer Verfolgungsjagd und einem anschließenden Schusswechsel mit der Polizei erschossen worden. Sein jüngerer Bruder Dschochar wurde am Freitagabend (Ortszeit) gefasst. Bei der Festnahme wurde er schwer verletzt. Jetzt meldet das FBI, dass es den älteren der beiden Brüder bereits vor zwei Jahren im Visier hatte.

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Tamerlan Zarnajew (links) wurde bereits 2011 vom FBI befragt. © REUTERS, HANDOUT

Tamerlan Zarnajew sei Anfang 2011 vom FBI befragt worden, teilte die Behörde mit. Anlass sei die Anfrage einer ausländischen Regierung gewesen. Demnach soll Tamerlan "Anhänger eines radikalen Islam" gewesen sein und sich darauf vorbereitet haben, die USA zu verlassen, um sich Untergrundorganisationen anzuschließen. Laut FBI ergaben die Befragungen von Tamerlan und dessen Familie sowie die Überprüfung von Reisedokumenten, Internetverkehr und persönlichen Kontakten damals allerdings keine Anzeichen einer "terroristischen Aktivität". Welche ausländische Regierung die Untersuchung anstieß, gab das FBI nicht bekannt. Medienberichten zufolge soll Tamerlan Zarnajew im vergangenen Jahr eine Reise nach Russland gemacht haben.

Doch was veranlasste das Brüderpaar zu einem solchen Terrorakt auf amerikanischem Boden? In Sicherheitskreisen tendiert man zu der Annahme, dass das Attentat auf den Boston-Marathon einen islamistischen Hintergrund hat. Dschochar Zarnajew hatte im Internet Links zu islamistischen Websites und zu Seiten mit Aufrufen für die Unabhängigkeit der russischen Kaukasus-Republik Tschetschenien gesetzt.

Beide Brüder waren in sozialen Netzwerken aktiv. Dschochar bei 'VKkontakt', dem russischen Pendant zu Facebook. Seine Religion sei der Islam, schreibt er dort.

Mutter der Brüder: "Sie wurden hereingelegt"

Die Mutter der Beiden ist von der Unschuld ihrer Söhne überzeugt. "Ich bin hundertprozentig überzeugt, dass sie hereingelegt wurden", sagte Subeidat Zarnajewa, die sich als Mutter der beiden Männer ausgab, dem englischsprachigen Staatsfernsehsender 'Russia Today'. Zugleich räumte sie ein, dass sich ihr älterer Sohn Tamerlan, der auf der Flucht vor der Polizei getötet worden war, seit etwa fünf Jahren stark für den Islam interessiert habe.

"Aber er hat nie gesagt, dass er den Weg des Dschihad einschlagen will", sagte die Frau. "In unserem Haus ist nie über Terrorismus geredet worden." Das FBI habe stets gewusst, was Tamerlan tut. "Sie haben mir gesagt, dass er ein Islamistenführer ist und dass sie Angst vor ihm haben", sagte Zarnajewa. Doch ihr Sohn habe nie ein Geheimnis vor ihr gehabt, meinte die Frau. Den jüngeren Sohn Dschochar, der schwer verletzt wurde, rief sie zur Zusammenarbeit mit den Behörden auf. "Sag ihnen die Wahrheit, sag, dass Du das nicht getan hast, dass Ihr hereingelegt wurdet", sagte Zarnajewa. Bereits am Vortag hatte der angebliche Vater jede Schuld seiner Söhne bestritten. "Meine Kinder können keiner Fliege etwas antun", sagte er.

Laut russischen Medien soll der ältere Bruder in Tschetschenien geboren worden sein. Danach flüchtete die Familie über Kasachstan nach Kirgisistan - wo dann sein Bruder Dschochar zur Welt kam. Von da aus soll die Familie 2001 in die islamisch geprägte russische Teilrepublik Dagestan ausgewandert sein.

In Tschetscheniens Nachbarrepublik Dagestan bestätigte der Direktor einer Schule in Machatschkala, dass er die Brüder aus ihrer kurzen Zeit dort kenne. Das dagestanische Innenministerium betonte, dass es keine Erkenntnisse über Straftaten der Familie gebe. 2002 soll die Flüchtlingsfamilie dann die Region verlassen haben und in die USA eingereist sein.