Braunau: Opfer des Inzest-Opas behindert?

Psychiaterin: "Das Gefängnis war im Kopf"

Neue erschreckende Details vom Inzestfall aus Österreich: Offenbar sind die Missbrauchsopfer des Sextäters geistig behindert. Der 80-jährige Gottfried W. soll seine Töchter Erika und Christine mehr als 40 Jahre lang festgehalten und vergewaltigt haben. Staatsanwalt Alois Ebner sagte der Nachrichtenagentur APA, der Mann habe mit seinen Töchtern keine Kinder gezeugt.

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Journalisten warten am Haus der Inzest-Familie
Im Visier der Medien: Das Haus der Inzest-Familie wird von Journalisten belagert. © REUTERS, HERWIG PRAMMER

In Österreich herrscht nach Bekanntwerden des Falles Entsetzen: Der Mann hatte die Frauen den Vorwürfen zufolge in St. Peter am Hart bei Braunau bedroht und sie von der Umwelt abgeschirmt. Die Frauen sind heute 45 und 53 Jahre alt.

Dass die Opfer nicht die Flucht ergriffen hatten, obwohl sie faktisch nicht eingesperrt waren, sei erklärbar, sagte Psychiaterin Adelheid Kastner im österreichischen Rundfunk ORF: "Das Gefängnis dürfte im Kopf gewesen sein." Der Vater habe offenbar mit Drohungen so große manipulative Macht ausgeübt, dass die Schwestern keinen Ausbruch wagten. "Wenn man zum einen bedroht wird und zum anderen sich selbst nicht die Kompetenz zutraut, draußen in der Welt zurecht zu kommen, dann kann dieses manipulative Einsperren sehr effizient sein", sagte sie in einem Fernsehinterview.

Töchter wehrten sich spät gegen den Vater

"Ich habe sie ein bisschen gekannt", sagte Pfarrer Severin Lakomy. "Sie waren bei der Adventsfeier und bei Krankensonntagen. Es war schwer, mit ihnen in Kontakt zu kommen. Sie haben mehr mit den Augen gesprochen als mit dem Mund." Niemandem vertrauten sie sich an, niemandem erzählten sie von den schrecklichen Dingen, die in dem Einfamilienhaus in der 2.400-Seelen-Gemeinde hinter verschlossenen Türen vor sich gingen. Die Schwestern hatten als Kinder eine normale Volksschule und dann eine Sonderschule besucht, aber danach keine Ausbildung gemacht. Allmählich waren sie offenbar im Ort von der Bildfläche verschwunden.

Seit dem Tod der Ehefrau des mutmaßlichen Täters 2008 waren die Töchter teilentmündigt. Sie waren nicht in der Lage, ihr alltägliches Leben zu organisieren. Einkäufe und Erledigungen haben offenbar Sozialdienste übernommen.

Im Mai 2011 war den misshandelten Frauen die Flucht gelungen. Laut Polizei hatte eine der Schwestern bei einem Vergewaltigungsversuch den Vater zurückgestoßen, der bewegungsunfähig liegen blieb. Zwei Tage später fand eine Sozialarbeiterin den Mann nackt und hilflos am Boden liegend. In Vernehmungen hätten die Frauen erst Wochen nach dem Vorfall von den Übergriffen berichtet, so die Polizei. Sie waren "offenbar erleichtert, dass sie von der Last befreit sind". Der 80-Jährige wurde in ein Gefängnis in Ried (Innkreis) gebracht.


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