Breivik-Verteidigung als Drahtseilakt

Verteidiger stoßen an ihre Grenzen

Für Norwegens Justiz ist der Fall Breivik ein Balanceakt: Einerseits muss auch einem Massenmörder mit rechtsstaatlichen Mitteln begegnet werden. Andererseits gilt es, die Opfer vor weiteren Provokationen zu schützen. Ins Blickfeld rücken auch Breiviks Anwälte. Viele fragen sich, wie es möglich ist, eine solche Wahnsinnstat zu verteidigen.

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Geir Lippestad Breivik
Auch Geir Lippestad, einer der Verteidiger von Breivik, stößt bei dem Prozess an seine Grenzen. © dpa, Pool

Breiviks Verteidiger Geir Lippestad ist nicht zu beneiden. Denn er weiß, sobald die Handschellen weg sind, wird Breivik wieder die geballte Faust recken. Ein Drahtseilakt, bei dem auch die routiniertesten Strafverteidiger an ihre Grenzen stoßen. "Man muss im Hinterkopf behalten, dass es Opfer und Hinterbliebene gibt die das Ganze mit Argusaugen beobachten. Andererseits ist man Organ der Rechtspflege und der Mandant hat eben ein Recht auf eine ordnungsgemäße und engagierte Verteidigung", erklärt Bertil Jakobson vom Verband deutscher Strafverteidiger.

Und das auch dann, wenn er, wie Breivik, seine Opfer und den gesamten Rechtsstaat verhöhnt. Aber Norwegen lässt sich nicht provozieren. Auf seine Gewaltorgie in Oslo und Utøya antwortet die Justiz mit einem fairen Prozess. "Ich verstehe, dass es schmerzhaft ist, seine Ausführungen zu hören. Aber ich hoffe und glaube, dass unsere Demokratie robust genug ist, seine Statements zu ertragen", so Sjak Haaheim, einer der Opfer-Anwälte.

Norwegen vor Zerreißprobe

Statements, die Einblicke in eine wirre Wahnwelt geben. Breivik faselt von Notwehr und Freispruch und seine Verteidiger müssen der Linie folgen. "Das Problem ist hier, dass der Mandant die Marschroute vorgibt und der Verteidigung ein Stück weit die Hände gebunden sind. Wenn der Mandant dies wünscht, muss man sich dem leider beugen", so Jakobson.

Norwegen steht in diesen Tagen wieder vor einer Zerreißprobe. Doch das Land hat schon einmal bewiesen, dass es dem Hass mit noch mehr Offenheit und noch mehr Zusammenhalt entgegentreten wird.