Brigitte-Studie 'Frauen auf dem Sprung': Frauen wollen arbeiten und Kinder

Frauen fühlen sich von ihren Männern zu wenig unterstützt

Finanzielle Unabhängigkeit, Beruf, Kinder und gute Freunde - das alles wollen die 25- bis 35-jährigen Frauen in Deutschland. Gut zu verdienen und finanziell unabhängig zu sein ist ihnen besonders wichtig. Dabei stehen die Frauen enorm unter Druck. Neben ihrem Beruf leisten sie zu Hause weiterhin die meiste Arbeit. Dieses Bild zeichnet die repräsentative Studie 'Frauen auf dem Sprung – Das Update 2013' vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung, dem infas Institut für angewandte Sozialwissenschaft und der Frauenzeitschrift Brigitte.

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Frauen wollen arbeiten und Kinder
Die Brigitte-Studie zeigt: Die jungen Frauen in Deutschland wollen Kind und Karriere. © diego cervo - Fotolia

Sechs Jahre wurden die Lebensentwürfe und Lebensverläufe von jungen Frauen und Männern hierzulande verfolgt. Heute sind die Befragten 21 bis 34 Jahre alt. Welche Einstellungen haben sie zu Familie, Arbeit und Leben? Wie haben sich ihre Hoffnungen, Träume und Pläne über die Zeit verändert? "Der Wertewandel der Männer ist eindrucksvoll", sagt Jutta Allmendinger, wissenschaftliche Leiterin der Studie. Immer mehr junge Männer wünschen sich demnach eine Partnerin, die ökonomisch auf eigenen Beinen steht. Dennoch: "Erwerbsarbeit und unbezahlte Familienarbeit müssen zwischen Frauen und Männern fairer verteilt werden", so Allmendinger. "An der Zeitfrage wird sich die Vereinbarkeit von Beruf und Familie entscheiden."

Karriere ohne Kinder oder Kinder ohne Karriere

Hier die zentralen Ergebnisse der Studie 'Frauen auf dem Sprung':

1. Arbeiten? Na klar!

Der Wunsch, finanziell auf eigenen Beinen zu stehen, ist ungebrochen hoch: 91 Prozent der befragten Frauen sind Erwerbsarbeit und eigenes Geld sehr wichtig. Bemerkenswert ist der Wertewandel der Männer: 76 Prozent der Männer wollen heute eine Partnerin, die "sich um den eigenen Unterhalt kümmert" (2007: 54 Prozent). Immer seltener fühlen sie sich als Alleinernährer der Familie.

2. Kein Rückzug in die Familie

Selbst wenn Frauen eine Familie gegründet und Kinder bekommen haben, weichen sie nicht von ihren Werten und Einstellungen ab. Sie bleiben auf Erwerbsarbeit orientiert. Diese erachten sie als selbstverständlich, heute noch stärker als vor fünf Jahren. Der Anteil von Frauen, denen Familie heute wichtiger ist als die eigene Erwerbstätigkeit, liegt bei unter 5 Prozent. "Die von vielen erwartete Retraditionalisierung von Frauen ist nicht zu beobachten", sagt Allmendinger.

3. Großer Kinderwunsch, wenig Kinder

Der Kinderwunsch von Frauen ist unverändert hoch. 93 Prozent der Frauen wollen Nachwuchs. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie beurteilen die jungen Frauen zurückhaltend. Obwohl sie heute eher als 2007 meinen, dass Unternehmen auf die Belange von Eltern eingehen, sehen sie mit Kindern ihre Chance auf eine Karriere dahinschwinden. 53 Prozent der Frauen stimmten 2012 der Aussage zu: "Wer Kinder hat, kann keine wirkliche Karriere machen." (2007: 36 Prozent). Die befragten Frauen, die Kinder bekommen haben, fühlen sich beruflich ausrangiert. Hinzu kommt: Insbesondere Männer erleben die Gesellschaft als kinderfeindlich. Obgleich auch sie gerne Kinder hätten, bleiben sie unentschlossen. Frauen und Männer zögern die Familiengründung immer länger hinaus.

4. Frauen leisten noch immer mehr unbezahlte Arbeit als Männer

Frauen und Männer wünschen sich eine gesunde Balance zwischen Beruf und Familie - die Wirklichkeit sieht anders aus. Zeitintensive Arbeiten im Haushalt wie Putzen, Waschen und Kochen werden mehrheitlich von den Frauen übernommen - auch dann, wenn noch keine Kinder im Haushalt leben. Auch Pflege und Kindererziehung bleiben Frauensache. Ein Drittel der Männer würde die Erwerbsarbeit nicht für die Kindererziehung unterbrechen, die restlichen Männer nur kurz.

5. Wer eine schlechte Ausbildung hat, bleibt auf der Strecke

Frauen und Männer mit guter Ausbildung sind heute erfolgreicher und sehr viel zufriedener mit ihrem Leben als jene mit schlechter Bildung. Diese waren 2007 noch ebenso selbstbewusst und zuversichtlich wie die gut Gebildeten. Heute fühlen sie sich abgehängt.