Britischer Arzt David Nott klagt an: Scharfschützen töten in Syrien schwangere Frauen

"Allen Frauen war in die Gebärmutter geschossen worden"

In Syrien tobt ein erbarmungsloser Bürgerkrieg, daran hat auch das Einlenken des Regimes im Streit um die Vernichtung seines Chemiewaffen-Arsenals nichts geändert. Zu welch perversen, menschenverachtenden Mitteln Regime und Rebellen im Kampf um die Macht greifen, beschreibt David Nott. Scharfschützen wählen gezielt schwangere Frau für Schießübungen aus, so der Vorwurf des britischen Arztes. "An einem Tag wurden Frauen mit Schussverletzungen in der Leiste eingeliefert, am Tag darauf war es die Brust", sagte der Chirurg dem britischen Blatt 'Sunday Times'.

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David Nott berichtet über Schießübungen auf schwangere Frauen in Syrien
David Nott (Bildmitte) spricht von gezielten Schießübungen auf schwangere Frauen in Syrien. © picture-alliance/ dpa, PA Msf 6613812

Nott arbeitete fünf Wochen freiwillig in einem syrischen Krankenhaus, dessen genaue Lage verschwieg er aus Sicherheitsgründen. Nach den ersten Patienten, die am Morgen in die Klinik eingeliefert wurden, konnte er ablesen, wie der Tag weiter verlaufen würde. "Es war ein Spiel", so Nott. An einem Tag habe er mehr als sechs schwangere Frauen mit Schussverletzungen behandelt. "Allen Frauen war in die Gebärmutter geschossen worden. Die Schützen müssen direkt darauf gezielt haben", sagte Nott dem Blatt.

Der gelernte Gefäßchirurg vermutet, dass die Scharfschützen ihr perverses Handwerk aus purer Langeweile verrichten, um sich irgendwie die Zeit zu vertreiben. Gerüchten nach würden die Scharschützen, sofern sie die "richtigen Ziele getroffen haben", mit Zigaretten belohnt werden.

Nott, der in den vergangen 20 Jahren in verschiedenen Kriegsgebieten, wie Libyen, Bosnien und der Demokratischen Republik Kongo, im Einsatz war, hat solche beispiellose Brutalität noch nie zuvor gesehen. "Es war das erste Mal, dass ich so etwas gesehen habe, das geschah mit Vorsatz."

200 Radikale aus Deutschland kämpfen in Syrien

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Diese Ultraschallaufnahme soll einen Fötus zeigen, der von einer Kugel in den Kopf getroffen wurde.

Angesichts solcher Ereignisse bleibt nur die Hoffnung, dass das Bemühen des Syrien-Sonderbeauftragten Lakhdar Brahimi, bei einer internationalen Friedenskonferenz am 23. November in Genf alle Konfliktparteien an einen Tisch zu bringen, erfolgreich sein wird. Brahimi traf sich hierfür in der ägyptischen Hauptstadt Kairo mit dem Vorsitzenden der Arabischen Liga, Nabil al-Arabi. In den kommenden Tagen sind unter anderem Besuche in Katar, der Türkei sowie dem Iran geplant. Teheran gehört zu den engsten Verbündeten des Assad-Regimes, die Türkei und Katar unterstützen die Rebellen. Unklar ist, ob Brahimi auch nach Damaskus reist.

Die internationale Gemeinschaft will bei der Konferenz eine Lösung in dem seit zweieinhalb Jahren andauernden Konflikt finden, bei dem bereits mehr als 100.000 Menschen gestorben sind. Die Opposition entscheidet über eine Teilnahme in der kommenden Woche. Allerdings lehnen einflussreiche Gruppen solche Gespräche ab.

Nach 'Spiegel'-Informationen haben inzwischen sogar deutsche Islamisten ein eigenes Trainingslager im Norden des Landes. In dem 'German Camp' bereiteten sich deutschsprachige Kampfeinheiten auf ihren Einsatz im Bürgerkrieg vor, berichtet das Nachrichtenmagazin unter Berufung auf einen als "geheim" eingestuften Lagebericht des Bundesamtes für Verfassungsschutz. Inzwischen sollen rund 200 Radikale aus Deutschland in Syrien oder auf dem Weg dorthin sein.


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