Brutaler Terror überzieht die Welt – wer steckt hinter all diesen Organisationen?

Ein Überblick über Terrororganisationen und ihre Unterstützer

Die Nachrichten derzeit werden von einem Thema überragt: Islamistischer Terror. Wohin man auch schaut, im Namen Allahs kämpfen Vermummte für ihre Idee, Gottesstaaten zu errichten, die Scharia einzuführen und ihre Feinde gnadenlos auszumerzen.

- Anzeige -
Brutaler Terror überzieht die Welt
Ein Ende des Blutvergießens in Syrien ist nicht in Sicht. Inzwischen sind mehr als 160.000 Menschen ums Leben gekommen. Millionen sind auf der Flucht. © REUTERS, HOSAM KATAN

Ob auf den Philippinen (Abu Sayyaf), in Pakistan/Afghanistan (Taliban), in Nigeria (Boko Haram), in Syrien und im Irak (Isis) oder in Kenia und Somalia (al-Shabaab), es werden immer mehr Gruppen, die sich zu mächtigen Playern aufspielen und die über genügend Zulauf an Mensch und Material verfügen.

Dazu die religiös motivierten Kämpfe in Ägypten und Libyen, erinnert sei an dieser Stelle zudem an den Aufstand der Tuareg-Rebellen von Azawad in Mali Anfang 2013, der immerhin die französische Armee motivierte, in das Land einzumarschieren.

Wo kommen diese Gruppen her, wer stattet sie aus, wer unterstützt sie und welche Ziele verfolgen sie? Wir liefern einen Überblick:

Isis: Die Gotteskrieger des Islamischen Staats im Irak und Syrien Isis (manchmal auch der Levante, Isil) besteht seit etwa 2003 und damit seit dem Einmarsch der USA in den Irak. Isis kämpft für die Errichtung eines Gottesstaats und ist streng sunnitisch. Schiiten dürfen nicht mit Gnade rechnen. Isis kämpft auch in Syrien im dortigen Bürgerkrieg gegen Präsident Baschar al-Assad.

Isis ist eine jener Organisationen, die der Kontrolle vollends entglitten sind. Denn mit der Türkei hatte die Gruppe lange einen Verbündeten aus der Nato. Weil Isis al-Assad stürzen will, fand die Miliz Unterstützung aus Ankara. Ob auch Waffen die Seiten wechselten, kann niemand genau sagen. Unwahrscheinlich ist es nicht. Weil die Gruppe streng sunnitsch ist, ist eine Unterstützung aus Katar und aus Saudi-Arabien zu befürchten. Der Emir von Katar gilt als größter Waffenverteiler im Nahen Osten.

Al-Shabaab: Verbreitet Terror in Somalia, Somaliland, Puntland und Kenia. Diese Organisation ist in Somalia unglaublich mächtig. Sie ist wahhabitisch orientiert und ist eine streng dogmatische, konservative Strömung des sunnitischen Islam. In Saudi-Arabien ist der Wahhabismus Staatsreligion. Es gilt als ziemlich sicher, dass die al-Shabaab-Milizen mit Al-Kaida vernetzt sind. Sie attackieren deswegen Ziele in Kenia, weil die kenianische Regierung den Terror vor ihren Touristenzielen an der Küste (wie Mombasa) ihrerseits bekämpft und schon mehrfach al-Shabaab in Somalia angegriffen hat.

Zu den Unterstützern zählt vor allem das Regime in Eritrea, Saudi-Arabien gilt vielen Experten als heimlicher Strippenzieher im Hintergrund.

Bei armen Menschen haben Hassprediger leichtes Spiel

Al-Kaida: Wegen ihres berühmten Gründers Osama bin Laden ist al-Kaida die Terrorgruppe, die am heftigsten bekämpft wird. Daher ist es auch etwas ruhiger geworden um al-Kaida, viele Führungskader sind tatsächlich eliminiert worden. Aber: Al-Kaida ist weitverzweigt und sehr regional organisiert. Splittergruppen und kleine Zellen existieren in fast allen Ländern des Nahen Osten. Al-Kaida im Maghreb agiert zum Beispiel in der Sahelzone, in Marokko und Tunesien. Im Jemen erklärte der dortige Ableger der Regierung sogar den Krieg. Al-Kaida ist arabisch und sunnitisch geprägt und radikalisierte sich erst mit dem Auftauchen nicht-arabischer Truppen im arabischen Raum (im Rahmen des Kuwait-Krieges gegen Saddam Hussein 1990).

Boko Haram: Spätestens seit der Entführung der 250 Schulmädchen in Nigeria ist die Terrorgruppe Boko Haram ("Westliche Bildung ist Sünde") der Welt bekannt. Auch diese Organisation ist sunnitisch geprägt, sie verfolgt die Einführung der Scharia (das religiöse Gesetz des Islam) und geht mit gnadenloser Brutalität vor.

Verbindungen werden ihr nachgesagt zu den Taliban, zu Al-Kaida und zu al-Shabaab. Besonders Christen sind Ziel der Anschläge. Sie kämpfen aber auch gegen die Zentralregierung in der Hauptstadt Abuja. Im Norden Nigerias will Boko Haram einen eigenen Staat. Vor allem die Anzahl der Attacken und Anschläge ist besorgniserregend. Mindestens einmal pro Woche werden Kirchen attackiert, Dörfer niedergebrannt oder Autobomben gezündet. Waren die Anschlagsziele anfangs nur im Norden Nigerias, sind die Terroristen jetzt schon in der Hauptstadt Abuja angekommen. Den Tuareg-Aufstand in Mali soll Boko Haram ebenfalls unterstützt haben. Es wird viel gemutmaßt, wer Boko Haram mit Waffen und Geld versorgt. Ziemlich sicher ist, dass viele Waffen nach dem Krieg in Libyen nach Nigeria und generell in die Sahelzone kamen. Und mit den Waffen kamen weitere Kämpfer. Einen Großteil des Geldes erhält die Gruppe durch Entführungen und anschließende Lösegeldzahlungen.

Abu Sayyaf: Diese Terror-Organisation kämpft im muslimischen Süden der Philippinen für einen eigenen muslimischen Staat. Die Gruppe ist nicht sonderlich groß, sie verfügt über maximal 2.000 Kämpfer von denen allerdings nur etwa 200 zum inneren Kern gehören sollen. Ihr Gründer, Abdurajik Janjalani, soll schon in Afghanistan gegen die Sowjets gekämpft haben.

Auch Abu Sayyaf werden Kontakte zu al-Kaida nachgesagt. Die Gruppe finanziert sich über Drogenhandel und Entführungen. Der berühmteste Fall waren wohl die Wallerts, eine dreiköpfige Familie aus Göttingen, die im Jahr 2000 zu einer Gruppe von 22 Touristen und Hotelangestellten gehörte, die 12 Wochen in Gewalt der Terroristen waren. Verschiedene Quellen belegen, dass allein diese Entführung etwa 25 Millionen Dollar in die Kasse der Organisation spülte. Das Geld stammte nach übereinstimmenden Medienberichten von Muammar Gaddafi aus Libyen, der sich damit Embargo-Erleichterungen des Westens erkaufen wollte.

Taliban: Die Taliban sind eine paschtunische Organisation, die größtenteils von afghanischen Flüchtlingen in Pakistan gegründet wurde. Sie sind ein Monster, das vom pakistanischen Geheimdienst und den westlichen Verbündeten unterstützt wurde. Als die Taliban 1996 Kabul eroberten und ein Emirat gründeten, wurde dies von Pakistan, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten anerkannt. Pakistan versuchte stets, über die Taliban Einfluss in Afghanistan auszuüben. Doch sie haben längst die Kontrolle verloren. Die Taliban (Paschtu für "Studenten") kämpfen zunehmend auch gegen den pakistanischen Staat, natürlich wirken sie weiter in Afghanistan. Auch die Taliban legen den Koran sehr streng aus, Mädchen dürfen nicht zur Schule gehen, Frauen die Häuser nicht verlassen.

Die meisten dieser terroristischen Strömungen sind sunnitisch. Zum Beispiel auch das Phänomen der Salafisten, die einen enormen Zulauf haben, auch in Deutschland. Warum die Menschen sich diesen radikalen Organisationen zuwenden, hat viele Gründe, auch ökonomische. Vielen Menschen im Nahen Osten geht es so schlecht, dass die radikale Saat der Prediger schnell auf fruchtbaren Boden fällt. Dazu kommt die imperialistische Politik der Vereinigten Staaten und des gesamten Westens, was den Hass zusätzlich schürt. Dies lässt sich propagandistisch gut ausnutzen.

Und wenn – wie zum Beispiel in Ägypten geschehen – das Militärregime einen so gnadenlosen Verdrängungskampf gegen die Muslimbrüder führt, verwundert es nicht, wenn die Menschen sich radikalisieren. Soziale Ungleichheit, Ausgrenzung und Marginalisierung haben noch nie zur Eindämmung von Konflikten geführt.

Deutschland und die Welt müssen die Waffenlieferungen genau überdenken. An wen gibt Katar, an wen gibt Saudi-Arabien auch die deutschen Waffen weiter?