Buback-Mord: Verena Becker verweigert Aussage

30.09.2010 | 14:24
Ex-RAF-Terroristin Verena Becker Ex-RAF-Terroristin Verena Becker im Gerichtssaal in Stuttgart-Stammheim

Anklage sieht Ex-Terroristin als Mittäterin

Im Prozess gegen die ehemalige RAF-Terroristin Verena Becker vor dem Oberlandesgericht in Stuttgart-Stammheim hat die Bundesanwaltschaft die Anklage verlesen worden. Sie wirft der 58-Jährigen vor, Mittäterin bei der Ermordung von Generalbundesanwalt Siegfried Buback und seinen Begleitern am 7. April 1977 in Karlsruhe gewesen zu sein. Becker habe das Attentat mit vorbereitet und den Tatort ausgespäht. Weiter habe sie eine Woche danach Bekennerschreiben an die Medien versandt.

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Bundesanwalt Walter Hemberger warf Becker vor, gemeinschaftlich mit anderen "aus niedrigen Beweggründen und heimtückisch drei Menschen getötet" zu haben. Sie soll aber nicht selbst auf dem Motorrad gesessen haben, von dem aus Buback und seine Begleiter erschossen wurden.

Becker, die den Verhandlungssaal mit großer dunkler Sonnenbrille betrat, schwieg zu den Vorwürfen. "Sie wird derzeit weder zur Person noch zur Sache Angaben machen", sagte ihr Verteidiger Walter Wenedey.

Weizsäcker begnadigt Becker im November 1989

Nach Erkenntnissen der Bundesanwaltschaft war Buback das erste Ziel einer sogenannten "Offensive 77", mit der Anhänger der linksextremistischen Roten Armee Fraktion (RAF) das damals in Stuttgart-Stammheim inhaftierte Führungstrio Gudrun Ensslin, Andreas Baader und Jan-Carl Raspe freipressen wollten. Das Trio hatte zur Ermordung Bubacks aufgerufen. Becker sei es besonders wichtig gewesen, den Willen des Trios durchzusetzen.

Gegenstand des Prozesses ist eine handschriftliche Aufzeichnung Beckers am 31. Jahrestag des Attentats 2008. Sie wisse noch nicht, wie sie Michael Buback gegenüber auftreten solle, heißt es darin. "Natürlich würde ich es heute nicht mehr machen - aber ist das nicht armselig, so zu denken und zu fühlen?!", las Bundesanwalt Hemberger vor. Vor dem Ermittlungsrichter hatte Becker ausgesagt, sie habe damit ihren Abstieg in den bewaffneten Kampf gemeint und nicht den Anschlag auf Buback. "Spirituell gesehen haben Herr Buback und ich einen Konflikt, den es noch zu heilen gilt", zitierte das Gericht Becker aus dieser Aussage.

Im Gegensatz zur Anklage ist Michael Buback, der Sohn des getöteten Generalbundesanwalts, von Beckers Hauptschuld überzeugt. Ihm lägen 20 Zeugenaussagen vor, wonach eine Frau auf dem Motorrad gesessen habe, von dem aus geschossen worden sei, sagte er nach dem ersten Verhandlungstag. In dem Prozess tritt Michael Buback als Nebenkläger auf.

Verena Becker war einen Monat nach dem Mord an Buback nach einem Schusswechsel mit Polizeibeamten in Singen festgenommen worden. Sie saß zwölf Jahre ihrer lebenslangen Freiheitsstrafe wegen Schüssen auf Polizisten bei ihrer Festnahme ab. Bundespräsident Richard von Weizsäcker hatte sie im November 1989 begnadigt.

Bildquelle: dpa bildfunk