Bürgerfest: Gauck setzt neue Akzente

Sponsoring zurückgeschraubt

Bundespräsident Joachim Gauck hat beim Bürgerfest im Park von Schloss Bellevue zu mehr Engagement für die Gesellschaft aufgerufen. Dazu gehöre auch, eine "Brücke der Freundlichkeit" zu den Mitbürgern zu schlagen, die aus anderen Ländern stammen. Vor mehreren tausend Menschen forderte Gauck in Berlin dazu auf, wählen zu gehen und damit etwas gegen die deutlich gesunkene Wahlbeteiligung in Deutschland zu tun. "Das ist ein Anfang", sagte er. "Dann würden einige, die wir nicht im Parlament brauchen, automatisch draußen bleiben."

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Gauck Bürgerfest Schloss Bellevue
Bundespräsident Joachim Gauck lädt zum zweitägigen Bürgerfest im Schloss Bellevue © dpa, Kay Nietfeld

Während am Samstag das Bürgerfest an Gaucks Berliner Amtssitz vor allem für etwa 4.000 ehrenamtlich engagierte Menschen offen war, durften nun erstmals alle Berliner und Hauptstadtbesucher Gäste sein. Die Menschen warteten zum Teil stundenlang auf Einlass, bei strahlendem Spätsommerwetter kamen deutlich mehr als die erwarteten 10.000. Gauck und seine Lebensgefährtin Daniela Schadt mussten beim Rundgang durch den Schlosspark hunderte Autogramme geben. "Wenn Sie uns ein bisschen am Leben lassen, wäre es einfacher", sagte der Präsident zu den drängelnden Massen.

Gauck will mit dem Bürgerfest bewusst einen anderen Akzent setzen als frühere Präsidenten. Die Rolle von Sponsoren wurde zurückgeschraubt und auf Sachspenden beschränkt. Kultur und Unterhaltung bieten Orchester und Bands, die auf ihre Gage verzichten.

Den Bürgern gefiel das neue Konzept des Festes, das sich deutlich von der eher durch Prominente aus Politik und Wirtschaft geprägten Veranstaltung der Vorjahre abhob. "Keine VIPs , sondern wir", lobte ein Berliner.

Gauck lobt Ehrenamtler

Am Samstagabend dankte Gauck seinen Gästen für ihr ehrenamtliches Engagement und forderte zugleich Debatten auch über unbequeme Themen. Der demografische Wandel konfrontiere Deutschland mit erheblichen Herausforderungen. So stünden vor allem Seniorenheime und Hospize in den nächsten Jahrzehnten vor großen Aufgaben. Gauck rief auch zur Wachsamkeit gegenüber extremistischen Strömungen auf.

"Extremisten und Fanatiker verachten die Demokratie", sagte er. Dagegen seien Bündnisse von Bürgern notwendig, die dem nicht tatenlos zusehen.

Sehr zum Vergnügen der Gäste rief Gauck auch dazu auf, das Bürgerfest als Gelegenheit zum Feiern zu nutzen. "Denken Sie nicht, dass sich hier ein linker protestantischer Kulturpessimismus einschleicht", sagte er, und an anderer Stelle: "Ich träume schon jetzt von der Rente mit 77." So alt wär Gauck bei Ablauf seiner Amtszeit 2017.

Unter den geladenen Gästen am Samstag waren Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP), Kanzleramtsminister Ronald Pofalla (CDU) und Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP). Durch das Programm führte der Fernsehmoderator Johannes B. Kerner.


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