Bundesernährungsminister zieht Bilanz zum 'Regionalfenster' – reicht das freiwillige Logo aus?

Regionalfenster
Das 'Regionalfenster' soll ein bundesweit einheitliches, transparentes Logo für regionale Produkte werden - ob man es verwendet, ist jedoch freiwillig. © Bildrechte: BMEL

Von Julia Brinkmann

Das 'Regionalfenster' hat sich am Markt etabliert – diese positive Bilanz zieht der Bundesernährungsminister Christian Schmidt (CSU). Lehnt er sich damit im wahrsten Sinne des Wortes zu weit aus dem Fenster? Wenn ich durch Kölner Supermärkte schlendere – dann sehe ich kein einziges Produkt mit dem blauen Logo, das neben der Herkunftsregion auch mit einer genauen Städteangabe schildert, wo es beispielsweise abgepackt worden ist. Das 'Regionalfenster' soll seit Anfang 2014 für mehr Transparenz bei regionalen Lebensmitteln sorgen – als bundesweit einheitliches Logo.

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Obwohl das Logo bundesweit vergeben werden kann, heißt das noch nicht, dass es auch in allen Ländern häufig zum Einsatz kommt. Würde ich zum Beispiel nicht in einem Kölner Supermarkt einkaufen, sondern in Süddeutschland, dann hätte ich mehr Chancen, ein blaues Fenster zu entdecken.

Irreführende Werbung ist trotzdem möglich – ohne 'Regionalfenster'

Aber wozu eigentlich ein blaues Fenster, wenn es doch schon so viele Siegel für regionale Produktherkunft gibt? Allein Nordrhein-Westfalen kann seine Produkte mit 40 Siegeln auszeichnen – manche beziehen sich auf ganz NRW, andere auf kleinere Regionen. Dazu kommen noch Markennamen, die auf Regionalität setzen. Doch die erweisen sich manchmal als eine reine Werbemaßnahme.

Hier setzt auch die Kritik an, die 'Foodwatch' dem 'Regionalfenster' entgegen bringt. Das 'Regionalfenster' ist nämlich nur eine freiwillige Kennzeichnung und hindert Werbeschaffende keineswegs daran, ein Produkt als regional darzustellen – schließlich muss man das Logo ja nicht übernehmen. "Wenn bei einem Produkt die regionale Herkunft beworben wird, muss die Ursprungsregion auch ausgewiesen werden – verpflichtend", fordert Matthias Wolfschmidt von 'Foodwatch'.

Der Verein 'Regionalfenster e.V.' versucht, solche Forderungen zu entkräften: "Für eine gesetzliche Vorgabe fehlt sowohl auf Bundes- wie auch auf EU-Ebene die notwendige Rechtsgrundlage", schreibt der Verein auf seiner Website. Bizarr mutet eine weitere Rechtfertigung an: "Eine gesetzlich klare Definition der Region dürfte aufgrund der kulturellen Historie des Regionsbegriffes eher einer Sisyphosarbeit gleichen als einer praktikablen Lösung für den Verbraucher." Kann das als Totschlag-Argument gelten? Ob Bauern in Grenzregionen sich so auf persönliche Zugehörigkeitsgefühle versteifen, ist jedenfalls fraglich.

Ob das 'Regionalfenster' wirklich für ein Ende der Siegel-Verwirrung in Deutschland einsteht, wie es verspricht, hängt sicherlich davon ab, in welchem Ausmaß es noch weiter Einzug in echte regionale Produkte hält. Das 'Regionalfenster' ist allerdings ganz klar eine reine Herkunftskennzeichnung– es gibt keinen Aufschluss darüber, ob ein Produkt 'hochwertig', 'fair' oder 'ohne Gentechnik' ist. Und damit bleibt es eben nur eine Kennzeichnung unter vielen – Verbraucher müssen, allein wenn sie unterschiedliche Gütekriterien garantiert haben wollen – weiter mit der Siegelflut zurechtkommen.


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