Bundesparteitag der Piraten: Katharina Nocun neue Geschäftsführerin

"Wir müssen als Team zusammenarbeiten"

Mit der Studentin Katharina Nocun (26) als neuer Geschäftsführerin wollen die Piraten doch noch den Einzug in den Bundestag schaffen. Die Datenschützerin aus Niedersachsen wurde auf einem Parteitag im bayerischen Neumarkt mit 81,7 Prozent zur Nachfolgerin des in der Partei umstrittenen Johannes Ponader gewählt.

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Katharina Nocun, Johannes Ponader, Piraten
Katharina Nocun wurde beim Piraten-Parteitag zur neuen Geschäftsführerin gewählt. © dpa, Armin Weigel

Die Internet-Partei kämpft seit Monaten mit internen Querelen und ist mit aktuell zwei Prozent weit von ihren einst zweistelligen Zustimmungswerten entfernt. Nocun gab sich kämpferisch: "Wir müssen als Team verdammt noch mal zusammenarbeiten, die anderen vor uns hertreiben, denn sie haben es verdient."

Die Partei müsse sich nun "den Arsch aufreißen". Sie wolle von keinem Piraten mehr hören, "dass wir die Bundestagswahl nicht wuppen können". Nocun selbst kandidiert in Niedersachsen auf Listenplatz 2 für den Bundestag. Sie setzte sich gegen vier Kandidaten durch und erhielt im ersten Wahlgang 796 von 974 Stimmen. Allerdings können Piraten mehrere Stimmen pro Wahlgang abgeben.

Zu einem kleinen Eklat kam es, als Christian Jacken, ein Kandidat für den Geschäftsführer-Posten, am Rednerpult erklärte, er sei zur Alternative für Deutschland (AfD) gewechselt. Er müsse dies tun, damit das "Euro-Betrugssystem" beendet werde. Die über 1.000 Mitglieder quittierten das mit Buh-Rufen. Piraten-Chef Bernd Schlömer sieht in der AfD grundsätzlich aber keine direkte Konkurrenz. "Die Piraten schauen nach vorne, die AfD nach hinten."

Ponader entschuldigt sich

Der zuletzt stark in die Kritik geratene ehemalige Geschäftsführer Johannes Ponader entschuldigte sich bei seiner Partei. Der Berliner, dem Alleingänge und mangelnde Kommunikationsfähigkeit angekreidet wurden, sagte: "Wo ich etwas falsch gemacht habe, da möchte ich euch um Entschuldigung bitten."

Der 36-Jährige warnte davor, die Partei hierarchisch zu führen. "Die Piratenpartei ist kein Unternehmen, sondern eine starke, selbstbewusste Bewegung." Auch könnten die Piraten nicht aus der Krise kommen, wenn "wir statt Debatten Shitstorms auslösen." Ponader will jetzt wieder Basisarbeit machen.

Der bayerische Spitzenkandidat Bruno Gert Kramm sagte, die Piraten würden gebraucht, um "Filz und Lobby" bei den etablierten Parteien anzuprangern. Er verwies auf die Verwandtenaffäre bei der CSU: "Wer wie die bayerischen Landesfürsten nur die eigene Familie mit einem bedingungslosen Grundeinkommen ausstattet, zeigt die Abgründe des eigenen Demokratieverständnisses."

Der einflussreiche Berliner Abgeordnete Christopher Lauer kritisierte aber auch die Attacken gegen den eigenen Vorstand. "Wir müssen ein Klima hinbekommen, damit das Gremium mehr Unterstützung bekommt", sagte er.

Die Piraten sind in Umfragen erheblich abgesackt. Anfang des Jahres scheiterten sie bei der Landtagswahl in Niedersachsen deutlich an der Fünf-Prozent-Hürde. Diese Pleite droht der jungen Partei, die sich für freies Internet, mehr Bürgerrechte und soziale Teilhabe einsetzt, auch am 22. September auf Bundesebene.


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