Bundesrat: Arbeitgeber beim Kampf gegen Burn-out in der Pflicht

Allein 53 Millionen Fehltage im vergangenen Jahr

Leistungsdruck, Multi-Tasking und hohes Tempo - psychische Belastungen bei der Arbeit nehmen immer mehr zu. Der Bundesrat hat deshalb einen Antrag eingebracht, nach dem Angestellte besser vor Burn-out geschützt werden sollen. Mit der Verordnung sollen das Arbeitsschutzgesetz konkretisiert und Leitlinien vorgegeben werden, "wie Betriebe die arbeitsbedingte psychische Belastung ermitteln und welche Schutzmaßnahmen sie ergreifen können", sagte die Hamburger Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD).

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Burn-Out Bundesrat Arbeitsplatz
Leistungsdruck, Multi-Tasking und hohes Tempo führen zu immer mehr psychischer Belastung am Arbeitsplatz. © dpa, Oliver Berg

Hamburg, Bremen, Brandenburg und Nordrhein-Westfalen haben den Entwurf erarbeitet. Der Bundesrat stimmte zu, jetzt kommt es auf den Bundestag an. Von 1997 bis 2012 sei die Zahl der Fehltage um 165 Prozent gestiegen, sagte Prüfer-Storcks. Allein 2011 seien es 53 Millionen gewesen. "Die direkten und indirekten Kosten (...) werden auf 45 Milliarden Euro jährlich beziffert", so die Senatorin.

Auch Bremens Gesundheitssenator Hermann Schulte-Sasse (parteilos) erklärte: "Das Ausmaß der psychischen Belastungen hat durch die sich wandelnde Arbeitswelt stark zugenommen. Es sei deshalb dringende Eile geboten, die Arbeitsbedingungen so zu gestalten, dass Gesundheitsgefährdungen möglichst erst gar nicht entstehen.

Deutschland im europäischen Vergleich weit abgeschlagen

Prüfer-Storcks betonte, dass mit der Verordnung keine neuen Verpflichtungen einhergehen sollen. In erster Linie gehe es zunächst um Befragungen der Mitarbeiter, damit die Vorgesetzten ein Instrumentarium für Prävention entwickeln können. Dabei gehe es um Arbeitsbedingungen, um Organisation, um soziale Bedingungen und - der am meisten genannte Grund für psychische Belastungen - um das Verhalten von Vorgesetzten. Im europäischen Vergleich liege Deutschland bei diesem Thema noch weit hinten. So haben sich die europäischen Sozialpartner bereits 2004 auf eine Vereinbarung zu arbeitsbedingtem Stress verständigt, die in 13 EU-Staaten umgesetzt worden sei - nicht aber in Deutschland.

Kontrolliert werden sollen die neuen Regeln für Arbeitgeber laut dem Antrag durch die Gewerbeaufsicht. Schulte-Sasse zufolge sollen die Mitarbeiter der Gewerbeaufsicht regelmäßig die Betriebe besuchen und prüfen, ob die Maßnahmen zum Schutz vor psychischen Belastungen am Arbeitsplatz ausreichend dokumentiert wurden und den gesetzlichen Standards entsprechen. Das Problem dabei: Die Kontrolleure sind technisch ausgebildet, weil es im Arbeitsschutz bislang vor allem um die Bedienung von Maschinen ging. Für die Beurteilung von psychischen Belastungen müssen sie weitergebildet werden.