Bundestag beschließt Mindestlohn - profitieren auch SIE davon?

Diese Ausnahmen und Übergangslösungen gibt es

Praktikanten: Freiwillige Praktika während Ausbildung und Studium zur Berufsfindung dürfen drei Monate dauern, ohne dass ein Mindestlohn anfällt. Ursprünglich waren sechs Wochen vorgesehen. Auch Pflicht-Praktika im Rahmen von Schule, Ausbildung oder Studium bleiben Mindestlohn-frei. Wer nach Ausbildung und Studium ein Praktikum anfängt, hat dagegen Anspruch auf den Mindestlohn.

- Anzeige -
4,5 Millionen Arbeitnehmer dürfen sich freuen
Angestellte im Einzelhandel dürfen sich über den Mindestlohn freuen - es sei denn sie sind Lehrlinge oder Praktikanten. © dpa, Jan Woitas

Jugendliche: Der Mindestlohn gilt nicht für Jugendliche unter 18 Jahren. Ein Grund ist das Jugendarbeitsschutzgesetz.

Lehrlinge: Keinen Anspruch auf den Mindestlohn haben auch Auszubildende sowie Ehrenamtliche.

Langzeitarbeitslose: Wer mehr als zwölf Monate arbeitslos war, soll in den ersten sechs Monaten des neuen Jobs nicht unter den Mindestlohn fallen. Derzeit gibt es rund eine Million Langzeitarbeitslose. Zuletzt fanden bis zu 180.000 aus eigener Kraft und ohne Zuschüsse einen Job im ersten Arbeitsmarkt.

Saisonarbeiter: Saisonarbeiter, wie etwa Erntehelfer, sollen ab dem nächsten Jahr prinzipiell den Mindestlohn gezahlt bekommen. Allerdings ist eine Dienstanweisung geplant, wonach die Landwirte Kosten für Kost und Logis davon abziehen dürfen. Die Jobs für die Saisonkräfte sollen zudem 70 statt wie ursprünglich geplant 50 Arbeitstage sozialabgabenfrei sein.

Zeitungsausträger:

Den Zeitungsverlagen soll die Umsetzung des Mindestlohns erleichtert werden, indem sie 8,50 Euro erst ab dem 1. Januar 2017 an ihre etwa 160.000 Zusteller zahlen müssen. 2015 dürfen sie nach bisherigem Stand der Verhandlungen den Mindestlohn etwa um 25 und 2016 um 15 Prozent unterschreiten. Ursprünglich sollten die Verlage für fünf Jahre geringere Sozialabgaben für Minijobber entrichten, womit sie deutlich günstiger gefahren wären. Diese ursprünglich von Arbeitsministerin Andrea Nahles mit den Verlegern ausgehandelte Regelung wurde in der Koalition jedoch verworfen.

Selbständige und Freiberufler:

Jeder Mensch soll von seiner Arbeit leben können, lautet das Leitmotiv für den Mindestlohn. Darunter fallen aber nicht die Menschen, die als Selbständige oder Freiberufler ihr Auskommen verdienen. Laut einer Untersuchung des Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) haben 25 Prozent aller 4,4 Millionen Selbständigen in Deutschland Stundenlöhne von weniger als 8,50 Euro. Das betrifft eine bunte Mischung, darunter viele Friseure, Kioskbesitzer, Wirte, Betreiber kleiner Läden und Pflegekräfte, aber auch Anwälte, freischaffende Künstler oder Dozenten. Bekannt sind auch die Fälle von Paketzustellern, die als Sub-Sub-Sub-Unternehmer für große Konzerne Pakete ausfahren und noch nicht einmal auf 6 Euro die Stunde kommen.