Bundestagsfraktionen wollen Beschneidung zulassen

Beschneidungen sind "Jahrtausende alte Praxis"

Seit ein Kölner Gericht Beschneidungen als Körperverletzung gewertet hat, fürchten Juden und Muslime in Deutschland um ein wichtiges religiöses Ritual. Doch die Gläubigen bekommen immer mehr Unterstützung: Die Abgeordneten des Bundestages fordern parteiübergreifend ein Gesetz, das die Straffreiheit von Beschneidungen garantiert.

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Beschneidungen
Ein türkischer Junge wird bei einer Massenbeschneidungs-Zeremonie in Istanbul beschnitten. © dpa, Tolga_Bozoglu

Bereits am Donnerstag wollen die Fraktionen von Union, SPD, FDP und Grünen parteiübergreifend einen Entschließungsantrag verabschieden. Darin fordern sie die Regierung auf, noch bis zum Herbst einen Gesetzesentwurf in den Bundestag einzubringen, der Straffreiheit für "medizinisch fachgerechte“ Beschneidungen garantiert.

Der Deutsche Bundestag sei der Auffassung, "dass auch künftig die Beschneidung von Jungen in Deutschland straffrei möglich sein muss", heißt es in dem Antrag aus dem die 'Neue Osnabrücker Zeitung‘ zitiert. Die künftige Regelung müsse eine "praktische Konkordanz" zwischen dem Kindeswohl, der Religionsfreiheit und dem Recht der Eltern auf religiöse Erziehung herstellen.

Die Beschneidung von Jungen verteidigen die Abgeordneten in dem Entwurf als "Jahrtausende alte Praxis, die weltweit akzeptiert" werde. Diese sei "nicht vergleichbar mit nachhaltig schädlichen und sittenwidrigen Eingriffen in die körperliche Integrität von Kindern und Jugendlichen wie etwa die weibliche Genitalverstümmelung, die wir verurteilen".

Kanzlerin Merkel kritisiert Kölner Urteil

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte vor den möglichen Folgen des Kölner Urteils gewarnt. Die 'Financial Times Deutschland‘ zitierte die Kanzlerin unter Berufung auf CDU-Mitglieder mit den Worten: "Ich will nicht, dass Deutschland das einzige Land auf der Welt ist, in dem Juden nicht ihre Riten ausüben können. Wir machen uns ja sonst zur Komiker-Nation.“ Das Landgericht hatte Beschneidungen kürzlich als Körperverletzung gewertet und damit über Deutschlands Grenzen hinaus für Empörung gesorgt. Sowohl im Judentum als auch im Islam ist die Beschneidung von Jungen ein wichtiges Ritual mit langer Tradition.

Der israelische Botschafter Yakov Hadas-Handelsman äußerte sich in der 'Hannoverschen Allgemeinen Zeitung' lobend über die parteiübergreifenden Bemühungen des Bundestages, die Beschneidung von Jungen künftig straffrei zu stellen. Er vertraue darauf, "dass eine Lösung im Dienste der Religionsfreiheit gefunden und umgesetzt wird." Dies werde Juden in Deutschland ebenso helfen wie Muslimen.

Der Diplomat fügte hinzu, aus seiner Sicht wäre die Religionsfreiheit in Deutschland ernsthaft in Gefahr geraten, wenn sich die Rechtsansicht des Kölner Landgerichts durchgesetzt hätte.


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