Bundeswehr-Einsatz in der Türkei: Wehrbeauftragter beklagt massive Missstände

Massive Missstände in Patriot-Kaserne

Politisch gilt der Bundeswehr-Einsatz in der Türkei als Freundschaftsgeste. Doch der Wehrbeauftragte des Bundestags, Hellmut Königshaus, beklagt erhebliche Missstände am Einsatzort. Das geht nach Informationen der 'Süddeutschen Zeitung' aus einer Unterrichtung des Verteidigungsausschusses hervor, in der Königshaus Eindrücke von einem Truppenbesuch vor wenigen Tagen schildert.

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Bundeswehr-Einsatz in der Türkei: Wehrbeauftragter beklagt massive Missstände
Doch der Wehrbeauftragte des Bundestags, Hellmut Königshaus, beklagt in einem Bericht erhebliche Missstände am Einsatzort. © dpa, Kay Nietfeld

Die Zusammenarbeit mit der türkischen Seite werde "überwiegend als problematisch empfunden", zitiert das Blatt aus dem Bericht. Während des Besuchs von Verteidigungsminister Thomas de Maizière habe ein türkischer General eine deutsche Soldatin geschubst, die den Verkehr der Delegationsautos habe regeln wollen. Sie habe danach über Prellungen geklagt.

Die türkische Armee unterbinde nach Eindruck der deutschen Soldaten zudem systematisch den Kontakt zwischen ihren Soldaten und den Deutschen. Wer Kontakt aufnehme, werde "gemaßregelt", heißt es in dem Bericht über die Zustände in Kahramanmaras, wo derzeit Bundeswehrsoldaten stationiert sind, um die Türkei mit Patriot-Flugabwehrraketen vor Angriffen aus dem benachbarten Syrien zu schützen. Die Zustände im Sanitärbereich der türkischen Kaserne bezeichnet der Wehrbeauftragte dem Bericht zufolge als "unhaltbar".

De Maizière verspricht Besserung

Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel bezeichnete solche Vorfälle als nicht vertretbar. "Das darf natürlich nicht passieren", sagte er. Gabriel war gerade erst zu Besuch bei den deutschen Soldaten in der Türkei, die das Land vor Angriffen aus Syrien schützen sollen. "Man muss immer wissen, dass dort zwei völlig unterschiedliche Kulturen aufeinander treffen", sagte Gabriel. Die Bundeswehr sei dort in einer türkischen Kaserne untergebracht. Es sei für einen türkischen Oberst keine einfache Situation, wenn er nicht mehr bestimme.

Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) versprach der Truppe nach Bekanntwerden der Missstände sogleich für bessere Einsatzbedingungen zu sorgen. Die deutschen Einsatzkräfte seien in einem Lager untergebracht, das gar nicht für so viele Soldaten gedacht gewesen sei, sagte de Maizière.

Er betonte, die Bundeswehr habe zunächst dafür sorgen müssen, dass sie ihren Auftrag erfüllen könne. Jetzt gehe es darum, die Bedingungen zum Beispiel im Sanitärbereich zu verbessern. "Die Türkei hat sich große Mühe gegeben, für gute Unterkunftsbedingungen zu sorgen", sagte er. In Kürze würden neue Unterkünfte fertiggestellt. "Wenn diese neuen Unterkünfte fertig sind, wird sich vieles, was da vorgetragen worden ist, ändern."


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