Bundeswehr: Rassistischer Übergriff auf Marine-Schnellboot 'Hermelin'?

27.02.2013 | 20:19
Bundeswehr, Misshandlung, Beirut Bei einer Auseinandersetzung auf einem Schnellboot der Marine in Beirut ist ein vorgesetzter Bootsmann von mehreren Obermaaten angegriffen worden.

"Hier wohnen die Mongos"

Die Bundeswehr muss sich erneut mit einem Misshandlungsfall unter Soldaten beschäftigen: Bei einer Auseinandersetzung auf einem Schnellboot der Marine in Beirut ist ein vorgesetzter Bootsmann von mehreren Obermaaten angegriffen worden. Das Einsatzführungskommando in Potsdam bestätigte den Vorfall, der sich bereits am 15. Februar auf dem Schnellboot 'Hermelin' zugetragen hatte.

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Der Bootsmann sei aus seiner Koje gezogen, mit Tape und einem Spanngurt auf einem Tisch fixiert und anschließend am Bein bemalt worden. Nach Informationen der 'Süddeutschen Zeitung', die zuerst über den Vorfall berichtete, sollen sie dem Deutschen thailändischer Herkunft die Worte "Hier wohnen die Mongos" auf die Haut geschrieben haben.

Mongo ist ein Schimpfwort, das vom Begriff 'mongoloid' abgeleitet ist – eine abwertende Bezeichnung für behinderte Menschen mit Down-Syndrom.

Die vier Soldaten wurden nach Angaben des Einsatzführungskommandos nach Deutschland zurückgeschickt. Gegen weitere Soldaten, die möglicherweise beteiligt waren, werde noch ermittelt. Weitere personelle Maßnahmen würden geprüft.

Bundeswehr schließt fremdenfeindlichen Hintergrund aus

Wie das Einsatzführungskommando weiter mitteilte, wurde der Vorfall am 22. Februar wegen des Verdachts eines tätlichen Angriffs auf einen Vorgesetzten an die Staatsanwaltschaft abgegeben. Das Schnellboot 'Hermelin' beteiligt sich an dem UNIFIL-Einsatz vor der Küste des Libanons, um den Waffenschmuggel zu unterbinden und die Seewege zu kontrollieren.

Marine-Inspekteur Axel Schimpf verurteilte den Angriff scharf und kündigte harte Ermittlungen an. "Derartige Fälle dulde ich nicht in unserer Marine", sagte er der 'Welt'. "Deswegen wird nun mit der gegebenen Härte ermittelt. Intern sind sofort die nötigen Konsequenzen gezogen worden."

Spekulationen über einen möglichen rassistischen Hintergrund trat das Bundesverteidigungsministerium entgegen. Dem Angriff soll nach Angaben von Abgeordneten eine Provokation des Vorgesetzten vorausgegangen sein. Er soll seinen Untergebenen mit den Worten "Da schlafen die Mongos" ihre Kojen zugewiesen haben. Wegen Platzmangels habe er schließlich im selben Raum mit den Obermaaten schlafen müssen und sei dann von ihnen aus der Koje gezerrt worden.

Aus dem Verteidigungsausschuss des Bundestags hieß es, es habe sich um einen Racheakt gehandelt, nachdem der Bootsmann seine Untergebenen schlecht behandelt habe. Der stellvertretende Ministeriumssprecher Christian Dienst sprach von einem "höchst bedauernswerten Einzelfall". CDU-Verteidigungsexperte Ernst-Reinhard Beck betonte, der Fall sei "kein Politikum".

Es handele sich um "zwischenmenschliches Fehlverhalten aufgrund einer speziellen Gemengelage", sagte der stellvertretende Ministeriumssprecher Christian Dienst, der selbst schon einmal ein Schnellboot kommandiert hat. Ins Detail wollte er nicht gehen. Er stellte aber zumindest klar, dass das Fesseln mit Tape an einen Tisch sicher nicht zu den teilweise etwas merkwürdig anmutenden Marine-Ritualen zähle. "Solche Rituale gibt es in der Form überhaupt nicht." Auch im Verteidigungsausschuss hielt sich die Aufregung über den Vorfall in Grenzen. Der Grünen-Abgeordnete Omid Nouripour mahnte allerdings dazu, das Führungsverhalten bei der Bundeswehr mal etwas genauer unter die Lupe zu nehmen, falls sich der Ablauf wie im Ausschuss dargestellt bestätigen sollte. "Wenn das wirklich so angefangen hat, wäre das Führungsversagen par excellence, und das ist mit das Schlimmste, was es gibt."

Bildquelle: dpa bildfunk