Cannabis gegen Alzheimer: US-Studie belegt heilsamen Effekt von THC

Heil- und Rauschmittel: Die Cannabis-Pflanze
Cannabis wirkt bei vielen Krankheiten heilend - auch Alzheimer-Patienten könnten in Zukunft mit der Pflanze therapiert werden. © dpa

Positiver Effekt von Wirkstoff THC

Die Heilwirkung von Cannabis steht außer Frage – Wirkstoffe aus der Hanf-Pflanze werden unter anderem bei der Behandlung von Rheuma, Multipler Sklerose, Krebs, und AIDS eingesetzt. Auch Alzheimer-Patienten könnten davon profitieren: Einer Studie der US-Universität USF Health Morsani College of Medicine zufolge, hat Cannabis auch bei Demenz-Erkrankungen eine heilende Wirkung.

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Sehr kleine Mengen des Marihuana-Wirkstoffs Tetrahydrocannabinol (THC) können den Prozess der Alzheimer-Erkrankung verlangsamen oder sogar aufhalten, heißt es in einem Artikel des 'Journal of Alzheimer's Disease', das über die im Juli veröffentlichte US-Studie berichtet. Das THC reduziere die Produktion des Protein-Fragments Beta-Amyloid. In gesunden Gehirnen werden diese Fragmente zersetzt, bei Alzheimer-Patienten häufen sie sich zwischen den Nervenzellen zu so genannten Plaques an, informiert die Initiative 'Alzheimer Forschung'. THC soll darüber hinaus auch teilweise Zellfunktionen zur Energieversorgung und Signalübermittlung im Gehirn anregen.

"THC ist bekannterweise ein Antioxidant mit Neuroprotektiven Eigenschaften, doch das ist der erste Bericht, das der Stoff direkt auf die Symptome von Alzheimer wirkt, indem er den Beta-Amyloid-Gehalt vermindert", sagt Neurowissenschaftler und Autor der Studie Chuanhai Cao. Da es ein natürlicher und relativ sicherer Amyloid-Hemmstoff sei, könne THC oder ein analoger Stoff bei der Entwicklung einer effektiven Behandlungsmethode für Alzheimer in der Zukunft helfen, so Cao.

Kein Freifahrschein für Suchtmittel

Dabei sprechen sich die Forscher nicht zeitgleich für die Legalisierung von Marihuana aus. Wichtig sind dem Bericht zufolge die geringen THC-Dosen. Dabei überwiege der therapeutische Effekt des Wirkstoffs gegenüber den vermuteten Risiken wie Toxizität und der Schädigung des Erinnerungsvermögens. Nur weil eine Droge medizinisch effektiv sei, könne sie nicht sicher von jedem eingenommen werden, sagt Mit-Autor der Studie Neel Nabar. Ein Freifahrschein für Cannabis-Konsum und dessen Legalisierung ist die Studie also nicht.

Die Forscher untersuchen zurzeit die Wirkung eines Cocktails aus THC, Koffein und anderen natürlichen Bestandteilen an einem zellulären Modell der Alzheimer-Krankheit. Bald sollen die Effekte an genetisch veränderten Mäusen getestet werden.

In Deutschland sind vereinzelt Cannabis-haltige Medikamente legal zu erwerben – als erstes kam 2011 ein Mundhöhlenspray gegen Spastiken mit Cannabisextrakten auf den Markt, berichtet Stiftung Warentest. Darüber hinaus fallen die Produkte unter die illegalen Suchtmittel. Besitz, Anbau und Handel damit sind verboten. Das Betäubungsmittelgesetz sieht Geldstrafen und bis zu fünf Jahre Haft vor. Für sogenannte "Gelegenheitskiffer" gibt es laut Gesetz die Untergrenze der "geringen Menge" zum Eigenverbrauch. In Deutschland hatte zuletzt das Urteil des Kölner Verwaltungsgerichts für Aufruhr gesorgt, das drei chronischen Schmerzpatienten den privaten Anbau von Cannabis zu Therapiezwecken erlaubt hat.


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