Chancenspiegel: Schulerfolg hängt in Deutschland weiterhin von den Eltern ab

Unterschiedliche Chancen schon ab der Grundschule

Wie viel Erfolg ein Kind in der Schule und damit meist auch im Berufsleben hat, hängt weiterhin stark von seiner sozialen Herkunft und der Vorbildung der Eltern ab. Das ist das Ergebnis des zweiten Chancenspiegels über die Leistungen und Schwächen der Schulsysteme, den die Bertelsmann Stiftung heute veröffentlichte. Im Vergleich zum Vorjahr zeigen sich zwar positive Tendenzen – so verlassen weniger junge Menschen die Schule ohne Abschluss. Mehr Chancengerechtigkeit bleibt allerdings die Kernherausforderung für die Schulsysteme.

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Chancenspiegel: Erfolg in Schule hängt von Eltern ab
Kinder in einer Grundschulklasse – wer von ihnen Erfolg hat, hängt von ihren Herkunft ab. © dpa, Hendrik Schmidt

Das beginnt laut Studie schon bei den ganz Kleinen. So bewege sich das Leseverständnis der Grundschüler auf nahezu demselben Niveau wie vor zehn Jahren. Kinder aus bildungsfernen Sozialschichten liegen bei der Lesekompetenz durchschnittlich ein Jahr hinter Kindern aus der Oberschicht. Wenig Veränderung gibt es auch bei der Durchlässigkeit der Schulsysteme. Der Wechsel von einer höheren auf eine niedrigere Schulart ist viermal häufiger, als der Aufstieg in eine höhere Schulart.

Aber es gibt auch gute Nachrichten: Die Zahl der Sitzenbleiber in den Klassen 5 bis 10 sank im Vergleich zum Vorjahr leicht von 2,9 auf 2,7 Prozent. Auch der Anteil der Schulabbrecher ging zurück von 6,9 auf 6,2 Prozent. Die Anzahl der Schüler, die eine Hochschulreife erreichen stieg hingegen auf ein Rekordhoch. Jeder Zweite in Deutschland erreicht mittlerweile einen Abschluss, mit dem man studieren könnte.

Bundesländer kämpfen mit unterschiedlichen Herausforderungen

Im Ländervergleich gibt es starke Unterschiede zwischen den Bundesländern. "Kein Land ist überall spitze oder überall Schlusslicht", sagte Schulforscher Professor Wilfried Bos von der Technischen Universität Dortmund. "Die Bundesländer haben jeweils Stärken und Schwächen, alle haben Nachholbedarf."

Einige Beispiele aus der Studie verdeutlichen das Ausmaß der Unterschiede: So ist in Mecklenburg-Vorpommern der Anteil der Schulabbrecher mit 13,3 Prozent fast dreimal so hoch wie im Saarland (4,8 Prozent). In Sachsen ist der Leistungsabstand zwischen Schülern oberer und unterer Sozialschichten nur etwa halb so groß wie in Bayern. Starke Unterschiede gibt es auch beim Hochschulzugang: In Nordrhein-Westfalen erreichen 59,1 Prozent die Berechtigung zu studieren, in Sachsen-Anhalt nicht einmal 37 Prozent.

"Entscheidend für mehr Chancengerechtigkeit sind die Qualität des Unterrichts und die individuelle Förderung aller Schüler, aber gute Rahmenbedingungen können das natürlich begünstigen", sagte Professor Bos. Fortschritte bei der Chancengerechtigkeit seien nicht zuletzt eine Frage von Investitionen in Bildung, so die Forscher. Für zentrale Reformen wie Ausbau der Kitas und Ganztagsschulen, Lehrerbildung oder Inklusion fehle den Ländern jedoch oftmals das Geld.