Chaos in überfüllter Unterkunft: Aufnahme-Stopp für Münchner Flüchtlingsheim

München schließt Flüchtlingsheim wegen Überfüllung
In der Bayernkaserne in München mussten Flüchtlinge unter freiem Himmel schlafen, weil sie noch nicht registriert waren. © dpa, Marc Müller

"Bevor die Menschen nicht registriert sind, bekommen sie kein Bett"

In einem Asylbewerberheim in München mussten Flüchtlinge unter freiem Himmel schlafen - die Unterkunft war hoffnungslos überfüllt. Münchens Oberürgermeister hat jetzt reagiert und einen sofortigen Aufnahme-Stopp beschlossen.

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Der wachsende Ansturm von Flüchtlingen aus Krisenländern wie Syrien wird für immer mehr Städte zum Problem. Es fehlt an Unterbringungsmöglichkeiten, Personal und oft auch an Lebensmitteln. Die Bayernkaserne in München wurde in den letzten Tagen als Erstaufnahmestätte förmlich überrannt: Bis zu 300 Asylbewerber kamen täglich.

Bei nur fünf Grad mussten sie die Nacht ohne Matratzen und Decken im Freien auf dem Boden verbringen - ein untragbarer Zustand für Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD): "Bevor die Menschen nicht registriert sind, bekommen sie kein Bett zugewiesen und keine Decke. Dann passiert das, was am Wochenende passiert ist, dass sie nämlich im Freien schlafen müssen, weil sie keinen Schlafplatz haben. So kann das nicht funktionieren."

Als Reaktion hat Reiter nun einen 'Stab für außergewöhnliche Ereignisse' der Stadt München eingerichtet. Als erste Sofortmaßnahme hat er laut einer offiziellen Pressemitteilung verfügt, dass die Landeshauptstadt als Grundstückseigentümerin keine neuen Flüchtlinge in der Bayernkaserne aufnehmen darf. Mit Hochdruck soll nun nach weiteren Standorten für Unterkünfte gesucht werden. "Die zuständige Staatsregierung ist offensichtlich nicht in der Lage, auch vier Wochen nach dem Asylgipfel die notwendigen personellen, finanziellen und operativen Ressourcen zur Verfügung zu stellen. Das führt zu menschenunwürdigen Bedingungen – das kann und werde ich in meiner Stadt nicht akzeptieren", hieß es in der Mitteilung.

Schlepperbanden bieten offen ihre Dienste an

Bis die Flüchtlinge überhaupt in Deutschland ankommen, haben sie meist eine qualvolle - nicht selten gefährliche - Reise hinter sich. Familie El Schekani aus Damaskus hat alles verkauft, um sich die Flucht aus Syrien leisten zu können. Umgerechnet rund 8.000 Euro haben sie für sich und die Kinder gezahlt. Fünf Tage waren sie in einem völlig überfüllten Boot von Alexandria nach Italien unterwegs. Die Küstenwache steckte sie dann in einen Zug in Richtung Norden. "Dann reisen sie nach Nordeuropa, nach Deutschland. Manche nehmen den Zug, aber die meisten reisen im Auto, mit Hilfe von Schleusern", erklärt Tamara Pacchiarini, Leiterin eines Auffanglagers in Italien.

Rund um das Lager bieten Schlepperbanden ganz offen ihre Dienste an – ein lukratives Geschäft. Fahnder sind deshalb verstärkt im Einsatz, um den Schleusern das Handwerk zu legen. Doch die setzen die Flüchtlinge oft einfach nur in Reisebusse. Bis die Fahnder sie aufgreifen, fehlt von den Schleppern jede Spur.


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