Chaos und Gewalt in der Ukraine schüren Ängste

Luftangriff auf Donezk

In der Ostukraine vergeht kein Tag ohne neue dramatische und besorgniserregende Zwischenfälle. Derzeit nimmt der Kampf um die Separatistenhochburg Donezk extrem an Härte zu. Erstmals griff die ukrainische Luftwaffe Ziele nahe des Zentrums der Großstadt an. Dabei starben mindestens drei Zivilisten, wie der Stadtrat von Donezk mitteilte. Zudem seien Artilleriegranaten in mehrere Wohnhäuser eingeschlagen. Auch eine Gasleitung sei beschädigt worden. RTL-Reporter Dirk Emmerich berichtete von Bombenkratern und einer Spur der Verwüstung.

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Donezk nach Luftangriff
Krater in Donezk nach Luftangriff © REUTERS, SERGEI KARPUKHIN

Auch in der ostukrainischen Stadt Gorlowka sprachen die Behörden von einer steigenden Zahl von Toten. In den vergangenen Tagen seien bei Artilleriebeschuss 33 Zivilisten getötet und 129 verletzt worden, hieß es. In mehreren Vierteln sei die Gas- und Wasserversorgung ausgefallen. In der Großstadt Lugansk müssen nach Behördenangaben ebenfalls viele Menschen weiter ohne Strom und Wasser auskommen. Schwierigkeiten gibt es demnach zudem mit der Lebensmittel- und Treibstoffversorgung sowie mit der Müllabfuhr. Zudem sei der ukrainische Grenzort Djakowo von russischem Gebiet beschossen worden.

Die Nato beschuldigte Moskau, die Krise durch den Aufmarsch von rund 20.000 kampfbereiten Soldaten im Grenzgebiet weiter eskalieren zu lassen. Man teile die Sorge, dass Russland unter dem Vorwand eines humanitären oder friedenssichernden Einsatzes Truppen in das Nachbarland entsenden könnte, sagte eine Sprecherin des Militärbündnisses. Nach Angaben eines hochrangigen Nato-Militärangehörigen hat Russland seit Anfang des Monats Panzer, Infanterie, Artillerie, Luftabwehrsysteme sowie Truppen zur logistischen Unterstützung im Grenzgebiet zur Ukraine zusammengezogen.

Russische Truppen sammeln sich an ukrainischer Grenze

Die Truppenverstärkungen in dem Gebiet seien ein Anlass, um die Lage an der Grenze sehr genau zu beobachten, sagte eine Sprecherin des deutschen Außenministeriums "Wir fordern eine größtmögliche Transparenz." Auf Spekulationen aus Warschau, wonach die jüngsten Truppenbewegungen Vorbereitungen für eine mögliche Invasion sein könnten, ging sie nicht ein. "Wir können nicht mutmaßen, was Russland vorhat, aber wir können sehen, was Russland macht - und das erfüllt uns mit großer Sorge", sagte die Sprecherin.

Der polnische Regierungschef Donald Tusk sieht ebenfalls Anzeichen für eine Eskalation in der Ukraine. "Dieser Konflikt widerspricht allen bisherigen Regeln. Daher müssen wir auf verschiedene Eventualitäten vorbereitet sein", sagte er. Die Gefahr einer unmittelbaren Intervention Russlands in der Ukraine sei größer als noch vor einigen Tagen. "Das wäre eine neue Situation, und meiner Ansicht nach hat heute niemand eine gute Antwort, wie die westliche Gemeinschaft darauf reagieren sollte", sagte Tusk.

Als Reaktion auf die Sanktionen des Westens hat Russland für ein Jahr Einfuhrverbote für Lebensmittel und andere Waren verhängt. Betroffen seien jene Länder, die im Ukraine-Konflikt Strafmaßnahmen gegen Moskau erlassen haben, heißt es in einem Dekret von Kremlchef Wladimir Putin. Der Schritt diene den nationalen Interessen und der Sicherheit Russlands. Das Einfuhrverbot umfasst demnach landwirtschaftliche Produkte, Käse und Lebensmittel.


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