China denkt über Euro-Rettung nach

03.02.2012 | 16:34
China denkt über Euro-Rettung nach Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) schaut sich während einer Bootsfahrt die südchinesische Millionen-Metropole Guangzhou (Kanton) an.

Komplizierte Struktur

China ist ein großes Land mit einer starken und wachsenden Wirtschaft unter einer mit eiserner Hand regierenden zentralen Führung. Im Vergleich dazu ist die Struktur Europas extrem kompliziert: 27 Länder haben sich zu einer wirtschaftlichen Union zusammengeschlossen, 17 davon haben eine gemeinsame Währung und 25 demnächst einen finanzpolitischen Vertrag, trotzdem ist jedes Land alleine für seinen Haushalt zuständig.

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Selbst Europäer haben Probleme, ihre Struktur zu verstehen und versuchen seit zwei Jahren ihre Staatsschuldenkrise zu lösen. Der Erfolg ist überschaubar, weiterführende Maßnahmen sind beschlossen und geplant. Was Fiskalpakt und ESM jedoch bringen werden, ist noch nicht abzusehen. Da wundert es nicht, dass die Chinesen skeptisch sind, was Hilfe für Europa angeht: "Wegen der Komplexität muss China eingehende Untersuchungen anstellen, bevor es konkrete Schritte verkündet", kommentiert die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua anlässlich des Besuches von Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihrem Anliegen, die Chinesen mögen doch Europa bei der Rettung seiner Währung beistehen.

Finanzierungen seien ohnehin nur eine Seite der Geschichte. "Um aus der Krise zu marschieren, sind Sparmaßnahmen entscheidend, während Maßnahmen zur Ankurbelung des Wachstums auch nötig sind", hieß es bei Xinhua. Auf das Sparen hat sich Europa mit den Maßnahmen der letzten Woche schon festgelegt. Hilfe zum Wachstum wünscht man sich aus China, denn das Reich der Mitte sitzt auf Devisenreserven in Höhe von 3,18 Billionen US-Dollar. Davon wird nach Schätzungen ein Viertel in Euro gehalten.

Und China ist im Grunde bereit zu helfen. Der chinesische Staats- und Parteichef Hu Jintao versicherte, dass es an chinesischer Unterstützung "nicht fehlen werde". Auch Regierungschef Wen Jiabao sagte: "China ist bereit, mit Europa zu kooperieren, um gegen die gegenwärtige Krise anzugehen."

Aber wie und wo Chinas helfende Hand in Europa zupacken wird, ist nicht klar. Immerhin gibt es kleine Anzeichen: Chinas Führung habe sich bisher nur über den Internationalen Währungsfonds (IWF) engagieren wollen, aber in den Gesprächen mit Merkel erstmals auch den Euro-Rettungsschirm genannt, hoben Regierungskreise hervor. Nun richten sich Blick und Hoffnung auf den EU-China-Gipfel am 14. Februar in Peking.

Beide Seiten mit Zusammenarbeit zufrieden

Eindeutiger sind die Signale, was die deutsch-chinesische Zusammenarbeit angeht. Auf beiden Seiten ist man mit der Kooperation zufrieden. Der Handel mit China habe im vergangenen Jahr die Marke von 140 Milliarden Euro überschritten, betonte Merkel. 2012 rückt das Land nach Schätzungen des DIHK zum zweitgrößten Exportmarkt für die deutsche Wirtschaft auf. Allein der Handel mit der Provinz Guandong, dem ökonomischen Kraftzentrum Chinas, liege heute höher als der mit Staaten wie Südkorea, betonte die Kanzlerin.

Beide Staaten hätten sich nach der Finanzkrise besser erholt, weil sie stärker als andere auf die "Real-Wirtschaft" setzten, betonte der chinesische Ministerpräsident Wen Jiabao, der Merkel auch auf die zweiten Station nach Guangzhou begleitete. Er äußerte sich optimistisch, dass das bilaterale Handelsvolumen bereits in zwei oder drei Jahren die Marke von 200 Milliarden Dollar überspringen werde.

Einen neuen Schub für das chinesische Engagement in Deutschland mit bisher 800 aktiven Unternehmen soll die Hannover Messe im April bringen, auf der China als Gastland mit mehr als 500 Firmen vertreten sein will.

Bildquelle: dpa bildfunk