China: Zwangsabtreibung im siebten Monat

16.06.2012 | 08:28
Symbolbild: Schwangere Frau bei Vorsorgeuntersuchung. Eine schwangere Frau bei der Vorsorgeuntersuchung. Symbolbild.

Widerstand gegen verhasste Ein-Kind-Politik wächst

Ein schockierendes Foto geht um die Welt: Es zeigt Feng Jianmei, 23 Jahre alt, im Krankenhausbett. Neben ihr liegt ein abgetriebener Fötus. Beamte haben die junge Frau aus der nordwestlichen Provinz Shaanxi offenbar gezwungen, ihr ungeborenes zweites Kind im siebten Schwangerschaftsmonat abzutreiben.

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Kein Einzelschicksal in China - doch der Aufschrei in der Bevölkerung ist groß, der Widerstand gegen die ohnehin verhasste Ein-Kind-Politik wächst.

"Dieses Verhalten verstößt schwerwiegend gegen die Politik der Nationalen Bevölkerungs- und Familienplanungskommission", schrieb die verantwortliche Familienplanungsbehörde in der Gemeinde Zengjia in einer Erklärung. Wie die offizielle chinesische Nachrichtenagentur 'Xinhua' berichtet, wird gegen drei Beamte ermittelt. Außerdem wurden zwei Beamte sowie der örtliche Bürgermeister von ihren Ämtern suspendiert.

Offiziell sind Zwangsabtreibungen und -sterilisationen verboten

Die Beamten sollen Feng Jianmei festgenommen und mit verbundenen Augen zu einem Mietshaus gefahren haben. Dort wurde die Schwangere drei Tage lang festgehalten, immer wieder geschlagen, berichtet ihr Ehemann Deng Jiyuan dem US-finanzierten 'Radio Free Asia'. Dann hätten fünf Männer zwangsweise Gift in den Fötus injiziert, weil die Familie die geforderte Strafe von 40.000 Yuan (5.021 Euro), die für ein zweites Kind zu entrichten ist, nicht aufbringen konnte. "Sie gaben ihr die Injektion am 2. Juni, das Kind wurde am 4. Juni um 3 Uhr morgens tot geboren", so Deng Jiyua.

Seit der Einführung der Ein-Kind-Politik 1979 sind in dem mit 1,3 Milliarden Bewohnern bevölkerungsreichsten Land der Welt rund 400 Millionen Geburten verhindert worden. Zwar sind Zwangsabtreibungen und -sterilisationen offiziell verboten, aber der Druck, die Geburtenkontrolle einzuhalten, ist hoch und so setzen sich immer wieder Behörden über geltendes Recht hinweg.

Die drastischen Konsequenzen sorgen vor allem in der armen Landbevölkerung für Aufruhr, doch auch in der wohlhabenderen Mittelschicht wächst der Widerstand. Viele sind inzwischen der Ansicht, die Regierung habe kein Recht, ihnen die Familienplanung vorzuschreiben.

Bildquelle: dpa bildfunk