Chloé (15) spricht über Entführung: "Ich hatte Todesangst"

Erstes Interview nach Entführung

Rund eine Woche nach der Befreiung aus den Händen ihres Entführers hat die 15-jährige Chloé aus Südfrankreich erstmals öffentlich über ihre Gefangenschaft gesprochen. Sie habe unter "Todesangst" gelitten, sagte Chloé in der Sendung '66 Minutes' des französischen Fernsehsenders M6. Das Mädchen lag tagelang im Kofferraum des Autos eines 32-jährigen vorbestraften Sexualtäter. Er fuhr mit ihr bis nach Italien.

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Chloé, Offenburg, Entführung
Im Kofferraum dieses Wagens wurde die 15-jährige Chloé zufällig entdeckt. © dpa, Polizei Offenburg

Ausweichend antwortete sie auf die Frage, ob ihr Entführer sie sexuell belästigt habe. "Er wollte mir nicht direkt Böses antun", sagte sie. "Das bedeutet nicht, dass mir nicht auch andere Dinge widerfahren sind, aber das ist alles, was ich sagen kann." Die Staatsanwaltschaft in Nîmes hat Ermittlungen zu den Aspekten Entführung, Geiselnahme und Vergewaltigung eingeleitet.

Ursprünglich war das Interview in ihrem Elternhaus in Barjac mit ihrer Mutter und ihrem Vater geplant, hieß es. Die Tochter kam hinzu und war bereit, Fragen zu beantworten. Ihre Schilderung: Sie habe ihren Motorroller neben der Garage geparkt, und da sei ein Mann in den Hof gekommen. "Ich wollte davonlaufen und bin gefallen, da hat er mich zum Auto gebracht."

Die meiste Zeit ihrer einwöchigen Gefangenschaft war Chloé im dunklen Kofferraum eingeschlossen. "Ich war mutlos. Ich habe mir gedacht, dass ich nie wieder nach Hause kommen werde. 24 Stunden lang war es ganz fürchterlich, ich war vernichtet", erzählte sie über die quälenden Stunden in völliger Dunkelheit, in denen sie nicht wusste, wohin die Fahrt ging. "Wenn man aus seiner Familie und seinem Leben entführt wird, dann kann man nichts anderes als Angst haben. Ja, ich hatte Angst. Ich hatte Angst zu sterben."

32-Jähriger sitzt in Untersuchungshaft

Zwei Tage nach der Entführung hörte sie danach von dem Aufruf ihrer Mutter im Radio. Sie habe von einer Welle der Mobilisierung in Barjac gesprochen. "Das hat mich echt aufgerichtet, ich habe mir gesagt: Jetzt kann ich nicht aufgeben."

Hoffnung schöpfte Chloé auch, weil ihr Entführer sagte, sie werde vor Weihnachten wieder bei ihrer Familie sein. "Daran habe ich mich festgehalten." Fliehen wollte sie nicht. "Ich habe daran gedacht, aber was hätte ich in der Nacht im Wald gemacht? Ich hätte mich verirrt, oder er hätte mich am nächsten Morgen gefunden, das wäre mein Ende gewesen."

In dem TV-Beitrag war ihr Gesicht unkenntlich gemacht. Sie wolle nicht erkannt werden, weil sie ein normales Leben wiederfinden wolle, sagte sie zur Begründung. Während des Gesprächs zwischen Mutter und Vater auf dem Sofa wirkte sie gefasst und ruhig. Auf den Fernsehbildern waren auch Massen von Blumensträußen überall im Haus zu sehen. Chloé hat Briefe voller Anteilnahme und Geschenke aus allen Teilen Frankreichs erhalten. Der Fall hatte in Deutschland und Frankreich großes Aufsehen erregt.

Chloé war am 9. November vor ihrem Elternhaus entführt worden. Der Mann fuhr mit ihr in dieser Zeit quer durch Frankreich, nach Italien und mindestens zweimal nach Deutschland. Chloé musste den Ermittlungen zufolge die meiste Zeit im Kofferraum liegen. Übernachtet wurde im Auto, abgestellt in Wäldern und auf Feldwegen. Während der ganzen Woche habe sie nur anderthalb Liter getrunken und wenig gegessen, berichtet die französische Wochenzeitung 'Observateur'. Sie durfte sich nicht waschen und das Auto nur mit ihrem Entführer an abgelegenen Orten verlassen.

Nur mit Glück entdeckten deutsche Polizisten das Kind im Auto. In Oppenau bei Offenburg (Baden-Württemberg) wurde der 32-Jährige gefasst. Er sitzt in Untersuchungshaft und soll dem Bericht zufolge in den nächsten Tagen nach Frankreich gebracht werden.

Bei ihrer Rettung sei sie zusammengebrochen, berichtet Chloé laut 'Observateur', und einem der Polizisten der sie aus dem Kofferraum befreite in die Arme gesprungen. "Ich glaube sie haben mich für eine Verrückte gehalten", so die 15-Jährige. Seit sie nach Hause zurückgekehrt ist, habe sie wieder "Lebensfreude".