Chodorkowski in Deutschland: "Ein unglaubliches Gefühl der Freiheit"

21.12.2013 | 08:57
Chodorkowski in Deutschland: "Ein unglaubliches Gefühl der Freiheit" Michail Chodorkowski ist frei und will sich nun für andere Gefangene einsetzen

Chodorkowski will sich nun für andere Gefangene einsetzen

"Freiheit, Freiheit, Freiheit." Diese Worte des amnestierten Kreml-Kritikers Michail Chodorkowski belegen eindrucksvoll, was sich der Ex-Milliardär in seiner Lagerhaft am meisten gewünscht hat.

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Chodorkowski, der nach seiner Freilassung nach Berlin reiste, wo er auch Hans-Dietrich Genscher traf, der ihn bei der Freilassung unterstützt hatte, will sich nun für andere Gefangene in seinem Land einsetzen. "Es gibt noch viel zu tun, die Freilassung der Geiseln, die noch im Gefängnis sind, vor allem Platon Lebedew", sagte Chodorkowski der kremlkritischen Zeitschrift 'The New Times' in Moskau, für die er als Autor schreibt.

Chodorkowski lädt zu Pressekonferenz

Lebedew war Geschäftspartner des einstigen Ölmilliardärs Chodorkowski gewesen, der mit ihm in zwei international umstrittenen Verfahren unter anderem wegen Steuerbetrugs verurteilt worden war.

Kremlchef Wladimir Putin hatte Chodorkowski nach mehr als zehn Jahren in Haft überraschend aus humanitären Gründen begnadigt. Ex-Außenminister Hans-Dietrich Genscher hatte dabei vermittelt.

Der 50 Jahre alte Putin-Gegner will sich heute mit seiner Familie in Berlin treffen. Dort erwartet er auch seine krebskranke Mutter Marina sowie seinen Vater Boris. Für Sonntag lud der ehemalige Yukos-Chef zu einer Pressekonferenz im Berliner Mauermuseum. Dann will sich Chodorkowski zu seinen Zukunftsplänen äußern.

"Nach zehn Jahren jetzt ist das ein unglaubliches Gefühl der Freiheit", sagte Chodorkowski in einem kurzen Anruf bei der 'New Times'. Er sei allen dankbar, die geholfen hätten, damit er das Straflager verlassen könne. "Das Wichtigste ist jetzt: Freiheit, Freiheit, Freiheit."

Kritiker des früheren Geheimdienstchefs Putin vermuten hinter den Zugeständnissen an den Westen nicht viel mehr als geschickte Winkelzüge. Der Druck auf Russland war angesichts eines kritischen Dauerfeuers von Menschenrechtlern an der Lage im Land enorm. Immer mehr westliche Politiker verzichten auf Reisen zu den ersten Olympischen Winterspielen in Russland, die am 7. Februar beginnen. Im Schwarzmeerort Sotschi hat Putin alles für einen in der olympischen Geschichte einmaligen Aufwand herrichten lassen - ein Ringe-Spektakel der Superlative, mit Kosten von mindestens 37,5 Milliarden Euro.

Nun sind die Signale an den Westen unübersehbar: Auf Drängen des Internationalen Olympischen Komitees IOC lässt Putin ein Demonstrationsverbot in Sotschi aufheben, das während der Wettbewerbe gelten sollte. Diese Woche dann die Massenamnestie für seine in Straflager verbannten Kritiker und für Umweltschützer der Organisation Greenpeace.

Viele Beobachter fragen sich allerdings, ob Putin tatsächlich die Zügel lockert. Oder wird mit dem Erlöschen des Olympischen Feuers alles vorbei sein? Immerhin sind die vielen vom Westen kritisierten Gesetze weiter in Kraft - gegen Nichtregierungsorganisationen, gegen die Opposition, gegen Homosexuelle. Die Staatsduma verabschiedet im Trubel erneut ein umstrittenes Gesetz. So macht sich strafbar, wer Unabhängigkeitsbestrebungen russischer Regionen unterstützt. Auch halten sich in Moskau Gerüchte über eine Abmachung der Erzfeinde. Der prominente Politologe Dmitri Trenin vom Carnegie Center in Moskau glaubt, dass Chodorkowski seine Freiheit gegen Exil im Ausland eintauschen musste.

Bildquelle: dpa bildfunk