Costa Concordia: Kaum noch Hoffnung auf Überlebende

Costa Concordia: Noch sieben Deutsche im Wrack? Schaulustige beobachten vom nahe gelegenen Felsen aus die Rettungsarbeiten an der havarierten Costa Concordia.

"Müssen uns auf traurige Nachrichten einstellen"

Nach der Schiffs-Katastrophe vor Italien gibt es kaum noch Hoffnung, weitere Überlebende zu finden. Alle über Wasser liegenden Bereiche des teilweise gesunkenen Wracks seien laut Feuerwehr durchsucht worden. Bislang wurden sechs Leichen geborgen, 16 Menschen werden noch vermisste, laut Polizei inzwischen zwölf Deutsche.

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Darunter sind in Hessen ein Ehepaar aus Mühlheim am Main sowie zwei Schwestern aus Offenbach und ein Mann aus Maintal, zwei Frauen aus Baden-Württemberg, zwei Passagiere aus Berlin, einer aus Bayern und ein Ehepaar aus Ibbenbüren in Nordrhein-Westfalen.

Das Auswärtige Amt sprach von einer Zahl "im niedrigen zweistelligen Bereich". Außenminister Guido Westerwelle (FDP) versicherte: "Wir arbeiten mit Hochdruck daran, dass die Schicksale der noch vermissten deutschen Staatsangehörigen aufgeklärt werden." Zahlen nannte der Außenminister nicht. "Ich kann aber leider zur Stunde nicht ausschließen, dass wir uns auf andere, traurigere Nachrichten einstellen müssen."

Manche Passagiere seien auf eigene Faust nach Hause gereist, während sie noch auf Vermisstenlisten standen. Das sagte der Geschäftsführer von Costa Kreuzfahrten, Heiko Jensen. Daher sei die Zahl der Vermissten stetig gesunken und liege jetzt bei einem "sehr geringen zweistelligen Betrag". Alle seien zwischen 50 und 70 Jahre alt.

Reederei: Kapitän tägt die Schuld

Schwere Vorwürfe gegen Kapitän Ein riesiger Felsen ragt aus dem langen Riss im Rumpf der Costa Concordia.

Starker Wellengang hat die Suche nach Überlebenden zu einem Wettlauf gegen die Zeit gemacht. Die Taucher mussten das Wrack vorübergehend verlassen, nachdem es sich um neun Zentimeter bewegt habe, erklärte der Sprecher der Rettungsmannschaften, Luca Cari. Schlechteres Wetter könnte auch die Sicherung des Kraftstoffs in den Tanks erschweren. Das italienische Umweltministerium schließt eine größere Verschmutzung nicht aus.

Zuletzt hatten Helfer das sechste Todesopfer gefunden. Der Tote habe sich auf dem zweiten Deck befunden und eine Schwimmweste getragen. "Die Chancen, Überlebende zu finden, nehmen Stunde für Stunde ab", berichtet RTL-Reporter Udo Gümpel von der Insel. "Im Augenblick gibt es kaum noch Hoffnung."

Ein Crew-Mitglied und ein Paar auf Hochzeitsreise waren die bislang letzten Überlebenden, die aus dem Wrack gerettet wurden: "Wir sind in einem der Flure stecken geblieben und haben immer wieder um Hilfe geschrien", berichteten die frisch vermählten Han und Jung Kideok.

Die Reederei gibt dem Kapitän die Schuld an dem Schiffsunglück. "Die Firma steht dem Kapitän bei und wird ihm alle notwendige Unterstützung gewähren. Aber wir müssen den Tatsachen ins Auge sehen und können menschliches Versagen nicht bestreiten", sagte Costa-Kreuzfahrten-Chef Pier Luigi Foschi. Der mittlerweile verhaftete Kapitän habe die Bestimmungen der Reederei verletzt und das Unglück verursacht. Er habe die Route eigenmächtig geändert, erklärte Geschäftsführer Heiko Jensen.

Dabei soll die Reederei gewusst haben, dass der Ozean-Riese schon öfters so nah an die Insel Giglio gefahren ist. Das belegt ein Brief des Bürgermeisters der Insel, Sergio Ortelli, an einen Kapitän der Reederei vom vergangenen August, den die italienischen Zeitung 'La Repubblica' jetzt veröffentlichte. Darin bedankt er sich für das - so wörtlich - unglaubliche Schauspiel gestern Abend, als das Kreuzfahrtschiff 'Concordia' am Hafen von Giglio vorbeifuhr." Dies sei bereits eine "Tradition geworden, die wir nicht mehr missen wollen".

"Damals nahm ich an, das Schiff kam so nah, um den Passagieren die Insel zu zeigen", sagte Ortelli. "Diesmal, dachte ich, fuhr das Schiff deshalb auch so nah wie schon im August." Denn laut Anwohnern grüßte der Ozean-Riese so die Insel-Bewohner, weil viele Angehörige der Besatzung dort leben.

Bildquelle: splashnews.com / dpa bildfunk