Costa Concordia: Retter unter Druck und in Lebensgefahr ?

“Er hat einen Kollaps erlitten“

Den Rettungsmannschaften vor der italienischen Küste läuft die Zeit davon. Noch immer sind nicht alle Räume der Costa Concordia nach möglichen Überlebenden durchsucht. Die zunehmend rauer werdende See erhöht aber die Gefahr für die Retter, mit dem Wrack in die Tiefe gerissen zu werden. Trotz der immensen Belastung, wollen die Spezialisten aber weitersuchen.

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Wrack bewegt sich
Rettungsmannschaften bei der Suche nach Vermissten im Wrack der Costa Concordia - die Arbeiten müssen immer wieder unterbrochen werden. © dpa, Enzo Russo

Doch nicht alle sind dem Druck auf Dauer gewachsen: Ein Mitglied der Bergungsmannschaften ist zusammengebrochen und wird von Kollegen an Land gebracht. "Es handelt sich um einen Bootsführer. Er hat einen Kollaps erlitten“, sagt

Filippo Marini, der Sprecher der Hafenbehörde. „Das zeigt, wie gestresst wir hier alle sind und dass wir bei diesem Einsatz alles geben müssen."

Doch trotz der ins Wrack gesprengten Zugänge kommen die Taucher im Inneren so gut wie nicht voran. “Dort ist zu viel durcheinander. Wir konnten nur wenig in dem Teil des Schiffs suchen, der unter Wasser liegt, weil die Sicht gleich Null war“, berichtet Höhlentaucher Giuseppe Minciotti. Er und seine Kollegen arbeiten unter permanenter Lebensgefahr. Das Wrack kann jederzeit ins 70 Meter tiefe Wasser abrutschen.

Noch über 20 Menschen werden vermisst

Die Suche nach Eingeschlossenen muss deshalb immer wieder unterbrochen worden. Das Wrack sinke weiter ab, dadurch seien die Sicherheitsbedingungen für die Rettungsmannschaften nicht gegeben, sagte der Sprecher der Rettungseinheiten, Luca Cari. Es könnte noch schlimmer kommen: Höherer Wellengang soll die weiteren Such- und Bergungsarbeiten verhindern.

Naturschützer fürchten zudem, dass Treibstoff das fragile Ökosystem weit über die toskanische Insel hinaus verschmutzt, wenn das Schiff sinken sollte. Die Unglücksstelle liegt mitten im Pelagos-Meeresschutzgebiet, dem wichtigsten Walschutzgebiet im Mittelmeer. Umweltschützer befürchten eine Katastrophe, wenn das Öl ins Meer fließen sollte.

Das Abpumpen aus den Tanks wird voraussichtlich mehrere Wochen dauern. Nach Angaben der Reederei sollen mindestens 1.900 Tonnen Treibstoff an Bord sein, darunter Schweröl, sagte eine Sprecherin des Havariekommandos in Cuxhaven. "Schweröl ist wie dicker, zähflüssiger Honig. Um es abzupumpen, muss es erst auf 45 bis 50 Grad erwärmt werden."

Francesco Schettino, der schwer belastete Kapitän des Kreuzfahrtschiffes, ist in seinen Heimatort zurückgekehrt und steht dort unter Hausarrest. Das Schiff habe er nur so früh verlassen, weil er versehentlich in eines der Rettungsboote gestolpert sei, sagte er den Ermittlern. Der Staatsanwalt ordnete jetzt einen Drogentest an.

Nach zuletzt 28 Menschen werden laut italienischem Ministerium für Verkehr und Infrastruktur jetzt noch 22 Passagiere verschiedener Nationalitäten offiziell vermisst, mindestens elf Menschen kamen bei dem Schiffbruch um. Das Auswärtige Amt in Berlin hatte zuletzt von zwölf vermissten Bundesbürgern gesprochen, aber mittlerweile hat sich noch eine Frau gemeldet, die gar nicht an Bord war. Wie lange die mutigen Rettungskräfte überhaupt noch nach Vermissten suchen können, ist fraglich.


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