'Costa Concordia': Was geschah in der Unglücksnacht?

10.03.2012 | 18:36
Costa Concordia: Schlagseite Was geschah am 13. Januar an Bord der Costa Concordia?

Kapitän Schettino fürchtet um sein Leben

Am 13. Januar gegen 22 Uhr rammt die Costa Concordia vor der italienischen Insel Giglio einen Felsen. Wasser dringt ein, das Kreuzfahrtschiff gerät aus dem Gleichgewicht und läuft rund 100 Meter vor der Insel auf Grund. 32 Menschen verlieren ihr Leben.

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Der Ozeanriese rostet noch immer an Ort und Stelle vor sich hin, die Ermittlungen dagegen kommen voran. Hunderte Anwälte, Ermittler, Experten und Passagiere sind im toskanischen Grosseto zu einem Beweissicherungs-Verfahren zusammengekommen. "Gerechtigkeit und Wahrheit" verlangten zahlreiche Geschädigte der Havarie. "Schettino ist ein Krimineller", meinte eine Passagierin der 'Costa Concordia'.

Kapitän Franceso Schettino gilt als Hauptverantwortlicher für die Katastrophe. Er nimmt an der Vorverhandlung nicht teil, da er um sein Leben fürchten muss, sagte sein Verteidiger Bruno Leporatti. Doch auch ohne den Chaos-Kapitän und die übrigen neun Offiziere des Schiffs und Vertreter der Costa-Reederei, gegen die ermittelt wird, ist der Andrang so immens, dass die Anhörung in einen großen Theatersaal verlegt wurde. 500 bis 600 der Schiffbrüchigen werden bei dem Beweiserhebungsverfahren erwartet. In dessen Mittelpunkt steht die ‘Black Box‘, der Datenschreiber des Schiffes. Von dem Aufzeichnungsgerät erhoffen sich die Ermittler weitere Aufschlüsse über die Geschehnisse in der Unglücksnacht.

Exzessive Partys und Drogen?

Italienischen Medienberichten zufolge ging es rund an Bord des Luxusliners: Die Besatzungsmitglieder sollen an Bord exzessive Partys gefeiert und dabei Alkohol und Drogen konsumiert haben. Es gehe aber zunächst nicht um Verhandlungen über das Unglück, berichtete die Nachrichtenagentur Ansa. “Macht bitte bekannt, dass dies jetzt nicht der Ort ist, um den Datenschreiber wie einen Kasten zu öffnen und zu hören, was am Abend der Havarie gesprochen wurde“, warnte ein Ermittler vor zu hohen Erwartungen.

Bei der Evakuierung war Kapitän Schettino vorzeitig von Bord gegangen und hatte dafür ein technisches Problem verantwortlich gemacht: "Ich wollte nicht abhauen, sondern habe Passagieren geholfen, ein Rettungsboot ins Wasser zu lassen." Als der Absenkmechanismus blockierte, plötzlich aber wieder ansprang, "bin ich gestrauchelt und lag plötzlich zusammen mit den Passagieren im Boot". Daraufhin habe er nicht mehr auf das Schiff zurückkehren können, weil sich dieses schon zu sehr in Schräglage befunden habe, soll er italienischen Medienberichten zufolge vor einer Richterin gesagt haben.

Die Beweissicherung ist eine Vorbereitung auf den Prozess, bis zu dessen Beginn noch viele Monate vergehen dürften. Etwa drei Viertel des Treibstoffs des Ozeanriesen, überwiegend gefährliches Schweröl, sind inzwischen abgepumpt. Erst später soll entschieden werden, wie das 290 Meter lange Schiff beseitigt wird. Es könnte zerschnitten oder aber an einem Stück antransportiert werden.

Bildquelle: dpa bildfunk