Costa Ricas eigenwilliger Weg – seit 65 Jahren ohne Armee

Das frei gewordene Geld wanderte ins Bildungs- und Gesundheitssystem

Es scheint, der Frieden ist nicht mehr viel wert in unseren Zeiten. Im Konflikt zwischen der Ukraine und den prorussischen Separatisten leisten weder der Westen noch Russland echte Friedensarbeit. Im Nahen und Mittleren Osten ist mittlerweile fast jedes Land in kriegerische Handlungen verwickelt. Es vergeht kein Tag auf diesem Planeten, ohne dass Unschuldige bei kriegerischen Auseinandersetzungen gewaltsam zu Tode kommen.

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Costa Rica - Land ohne Armee
In Costa Rica gibt es keine Armee - nur eine Polizei, einen Grenzschutz und die Küstenwache. © picture alliance / Robert Hardin, Robert Harding Productions

Deshalb wollen wir an dieser Stelle ein Land vorstellen, das seit 65 Jahren in Frieden und Stabilität lebt, obwohl oder vielleicht sogar weil es nicht über eine Armee verfügt: Costa Rica. 1949 schaffte der damalige Präsident Jose Figueres Ferrer die Streitkräfte ab. Er sagte: "Wer den Frieden will, soll sich auf den Frieden vorbereiten und nicht auf den Krieg" und ließ diesen Satz in die Verfassung schreiben.

Vor wenigen Tagen erneuerte das Parlament diese Haltung, als es eine immerwährende Neutralität per Gesetz beschloss. In Costa Rica ist Frieden ein "fundamentales Menschenrecht". Lateinamerika ist erst in den letzten Jahren zu einem Hort des Friedens geworden. Es gab lange und blutige Auseinandersetzungen von linksgerichteten Rebellen gegen Contras und Paramilitärs, oft unterstützt von der amerikanischen CIA. Guatemala, El Salvador, Nicaragua, Kolumbien natürlich, die Liste ist lang. In Costa Rica aber herrschte immer Frieden.

Friedensnobelpreis in den 80er Jahren

Costa Ricas eigenwilliger Weg – seit 65 Jahren ohne Armee
Eine neue Generation der Polizei - Costa Rica geht in Sachen Armee einen sehr eigenwillligen Weg © picture-alliance/ dpa/dpaweb, Rolf Haid

Ganz nach dem Motto "wir haben keine Armee, wen wollt ihr also angreifen?" blieb die 'Schweiz Mittelamerikas', wie das Land nicht nur wegen seiner vielen Berge genannt wird, von Angriffen und Umstürzen verschont. 1987 erhielt Präsident Oscar Arias sogar den Friedensnobelpreis. Er hatte intensive Friedensarbeit in Lateinamerika geleistet. In den 80er Jahren tobten dort viele Konflikte und Kriege.

Costa Rica aber machte etwas sehr Schlaues: Es nutzte das Geld, das sonst in der Armee versickert wäre, für den Aufbau eines Bildungs- und Gesundheitswesens. Mit Erfolg. Die Einkommensverteilung unter den 'Ticos', wie die Einwohner sich nennen, ist nicht so krass ungerecht wie in den Nachbarstaaten. Es gibt viele Genossenschaften, die Sozialstandards sind höher als in Nicaragua oder Honduras. Der Anteil der Militärausgaben am Bruttoinlandsprodukt liegt bei 0,00 Prozent. Es gibt lediglich eine Polizeieinheit, die den Grenzschutz übernimmt, sonst nichts.

Natürlich gibt es auch Kritik an dem Modell. Arias, der Friedensnobelpreisträger, sagte vor wenigen Tagen, Costa Rica könne nicht immer neutral sein. Denn man vertrete Werte und dann müsse man auch Position beziehen. Außerdem sei man auf den Schutz der USA angewiesen. Dies schränke die Souveränität ein. Doch die Bevölkerung ist stolz auf das Erreichte. Die Welt weiß, dass das Land immer neutral war. Das schützt es. Genau wie die Schweiz.

Und Costa Rica mit seinen 4,7 Millionen Einwohnern hat eine lange pazifistische Geschichte. Die Todesstrafe wurde schon im 19. Jahrhundert abgeschafft. Im Jahr 1877! Nur Venezuela (1863) und San Marino (1865) waren noch früher dran. Zum Vergleich: Europäische Vorzeigestaaten wie Schweden und Norwegen schafften die Todesstrafe erst 1972 bzw. 1979 ab. Zudem setzt der Staat voll auf Ökotourismus und konnte so den Raubbau an den Regenwäldern stoppen. Mehr als ein Viertel der Fläche des Landes sind Nationalparks. Viele Länder dieser Welt können von diesem kleinen Staat eine Menge lernen.


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