DAK Gesundheitsreport: Eltern genauso gestresst wie Kinderlose

Wenig Krankentage trotz Doppelbelastung

Die Rushhour-Generation hetzt atemlos durch den Alltag. Babys kriegen, Haus kaufen, Karriere machen - zwischen dem 27. und 35. Lebensjahr kommt alles zusammen. Alles beschleunigt sich. Und trotzdem sind berufstätige Eltern genauso gestresst wie Kinderlose. Das zeigt der DAK-Gesundheitsreport.

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Berufstätige Mutter mit Baby
Berufstätige Eltern sind genauso gestresst wie kinderlose Arbeitnehmer. © picture-alliance/ dpa, Lehtikuva Elina Simonen

2,7 Millionen Daten wurden ausgewertet, 3.000 Männer und Frauen im Alter von 25 bis 40 Jahren gezielt nach ihrem Belastungslevel gefragt. Das Ergebnis überrascht. Eltern, die voll im Berufsleben stehen, zählen nicht nur zu den gesündesten, sondern auch zu den am wenigsten gestressten Versicherungsnehmern.

Trotz der Doppelbelastung von Kind und Karriere haben Versicherte dieser Altersgruppe die wenigsten Krankheitstage auf der Uhr. Sie liegt bei Frauen 24, bei Männern sogar 28 Prozent unter dem Durchschnitt. Damit ist die Rushhour-Generation seltener krank als ältere Versicherte und jüngere zwischen 15 und 24 Jahren.

Auch was den Stresspegel angeht, gibt es zwischen Berufstätigen mit und ohne Kinder fast keine Unterschiede. Nach Belastungsfaktoren wie Überforderung, zu großer Verantwortung und mangelnder Anerkennung befragt, hatten selbst Mütter mit Vollzeit-Jobs keine höheren Stresswerte als Mamas und Kinderlose, die nicht arbeiten.

Berufstätige Eltern achten weniger auf sich

Grund zur Entwarnung gibt es trotzdem nicht. Denn im Spagat zwischen Kind und Karriere stellen viele ihre eigenen Bedürfnisse hinten an. Weniger Sport und Schlaf, dafür mehr Junk-Food und Stress. Die Quittung kommt später. "Der niedrige Krankenstand darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich in diesem Alter erste Ansätze für chronische Krankheiten bilden", so Herbert Rebscher, Vorstandschef der DAK-Gesundheit.

In der Rushhour des Lebens sind bereits vier von zehn Beschäftigten mit Rückenproblemen in Behandlung, sieben Prozent der Männer leiden an Bluthochdruck. Etwa jeder fünfte Mann und sogar jede dritte Frau muss wegen psychischer Probleme zum Arzt. "Sollen diese besonders beanspruchten jüngeren Arbeitnehmer bis zum 67. Lebensjahr produktiv bleiben, müssen die Arbeitgeber nachhaltiger in die Gesundheit ihrer Mitarbeiter investieren", meint Rebscher.

Doch die ganze Bandbreite familienfreundlicher Angebote kommt nur wenigen Arbeitnehmern zugute. Vor allem Nicht-Akademiker profitieren laut DAK weniger, weil es in ihren Berufen seltener flexible Arbeitszeiten gibt und Aufgaben nicht im Home-Office erledigt werden können.

Auch deshalb glaubt jede fünfte Frau laut Umfrage nicht, dass sie der Herausforderung 'Kind und Karriere‘ gewachsen ist. Bei den Männern ist es jeder Siebte. "Die Folge ist allerdings, dass viele ihren Kinderwunsch aufschieben, bis sie an natürliche Grenzen stoßen", so Rebscher.


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