DAK-Studie: Deutsche schlucken zu viel Antibiotika – und wissen zu wenig über die Folgen

Infektionen werden wieder zur tödlichen Gefahr

Die Deutschen nehmen unverändert zu viel Antibiotika. Laut einer Studie der gesetzlichen Krankenkasse DAK waren im vergangenen Jahr fast 30 Prozent der Antibiotika-Verordnungen fragwürdig. Die Folge: Immer mehr Bakterien entwickeln Resistenzen. Infektionen würden - etwa im Krankenhaus – wieder zur tödlichen Gefahr, weil Antibiotika nicht mehr wirkten. 40 Prozent der Befragten seien zudem schlecht über die Einsatzgebiete der Wirkstoffe informiert.

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DAK-Studie: Deutsche schlucken zu viel Antibiotika.
In Summe verschrieben Ärzte 3,5 Millionen Packungen Antibiotika. © dpa, Armin Weigel

Insbesondere bei Infektionen der oberen Atemwege, Bronchitis oder Husten wurden entgegen der Behandlungsleitlinien häufig Antibiotika verschrieben. So nahmen 39,2 Prozent der Versicherten im Jahr 2013 mindestens einmal Antibiotika ein. In Summe verschrieben Ärzte 3,5 Millionen Packungen – damit rangieren die Wirkstoffe auf Platz vier der Medikamenten-Top-Ten. Dabei schaden Antibiotika in solchen Fällen mehr als sie nutzen. "Sie können Nebenwirkungen verursachen und verschärfen das Risiko der Resistenzbildung", erklärt Arzneimittelexperte Professor Gerd Glaeske von der Uni Bremen.

Die Zahlen bei Kindern sind rückläufig, allerdings nehmen sie immer noch zu viel Antibiotika ein: 45 Prozent der unter 15-Jährigen bekamen im vergangenen Jahr Antibiotika verschrieben. "Wir brauchen ein kritisches Bewusstsein bei den Ärzten im Umgang mit Antibiotika", so Glaeske.

Bis zu 15.000 Tote durch Antibiotika-Resistenz

Der Blick auf die Bundesländer zeigt eine deutliche Tendenz: Während Versicherte in Brandenburg, Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern im Durchschnitt vergleichsweise wenig Antibiotika einnahmen (knapp fünf Tagesdosen), griffen Ärzte in westdeutschen Bundesländern deutlich häufiger zum Rezeptblock: Hier waren es durchschnittlich sieben Tagesdosen.

Die dramatischen Folgen des häufigen Antibiotika-Einsatzes werden dann in den Krankenhäusern sichtbar. Hier bedrohen resistente Bakterien die Gesundheit der Patienten. Laut Studie werden bei immer mehr Patienten sogenannte Krankenhauskeime nachgewiesen. Von einer Million Versicherten, die 2013 in Krankenhäusern behandelt wurden, trugen knapp 20.000 einen resistenten Keim in sich. 2010 waren es nur rund 15.000 Versicherte.

Bundesweit sterben jährlich rund 7.500 bis 15.000 Patienten an Infektionen, die im Zuge einer Krankenhausbehandlung entstehen, so die Zahlen des Bundesgesundheitsministeriums. "Wenn sich solche Keime im Krankenhaus ausbreiten, können sie zur Lebensgefahr für Patienten mit geschwächtem Immunsystem werden", erläutertr Dr. Frank Kipp, leitender Krankenhaushygieniker am Universitätsklinikum in Münster. Viele Infektionen ließen sich leicht vermeiden, denn in den meisten Fällen werden Keime über die Hände des Klinikpersonals übertragen.


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