Das Aus für Schlecker ist beschlossen

Regierung will sich um die Mitarbeiter kümmern

Die bankrotte Drogeriemarkt-Kette Schlecker wird zerschlagen. Das haben die Gläubiger beschlossen, wie die Insolvenzverwaltung von Arndt Geiwitz mitteilte.

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Das Aus für Schlecker ist beschlossen
Die Gläubiger von Schlecker haben beschlossen, die bankrotte Drogeriemarkt-Kette zu zerschlagen. © dpa, Julian Stratenschulte

"Die Angebote waren nicht akzeptabel, weil sie deutlich unter einer Zerschlagung lagen", erklärte Geiwitz laut Mitteilung. "Ich bedaure diese Entscheidung im Hinblick auf die vielen, zum Teil langjährigen Schlecker-Mitarbeiter sehr, die jetzt ihren Arbeitsplatz verlieren", betonte Geiwitz weiter. "Das Restrukturierungskonzept war sehr anspruchsvoll aber grundsätzlich machbar."

Nun will sich die Bundesregierung um entlassene Mitarbeiter der Drogeriekette kümmern. Das bekräftigte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Es müssten andere Möglichkeiten - zum Beispiel über die Agentur für Arbeit - ausgelotet werden, damit die Menschen schnell wieder in Beschäftigung kämen. Die Bundesregierung, insbesondere Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU), werde "alles versuchen, da Hilfe zu leisten. Da ist im Augenblick vieles möglich." Merkel ließ jedoch keine Bereitschaft zu einem anderweitigen Engagement der Regierung für die Schlecker-Frauen erkennen: "Wir müssen die Entscheidung zur Kenntnis nehmen, die die Gläubiger gefällt haben."

Bis zum Schluss hatten die Mitarbeiter auf einen Retter in letzter Sekunde gehofft - vor allem auf den Karstadt-Eigner Nicolas Berggruen. Der aber war bereits in der Nacht zum Freitag abgesprungen, so Geiwitz. Hauptgrund für den Rückzug des Karstadt-Eigners Berggruen seien die rund 4.500 Kündigungsschutzklagen gewesen. Abgeschreckt habe ihn auch das mediale Interesse an Schlecker.

Der große Schlecker-Gläubiger Euler Hermes hat das endgültige Aus für die Drogeriekette als alternativlos bezeichnet. "Man kann nur retten, wenn auch ein Retter da ist", sagte ein Sprecher des Kreditversicherers aus Hamburg. Schlecker schuldet den Hamburgern rund 300 Millionen Euro. Dem Sprecher zufolge reichten die Angebote möglicher Investoren nicht aus. Auch ein Teilverzicht auf Forderungen wäre kein gangbarer Weg gewesen, da der Kette insgesamt die Perspektive fehle.

Bsirske: FDP trägt Verantwortung für Schlecker-Aus

Unterdessen hat Verdi-Chef Frank Bsirskeder FDP die Schuld für das Aus von Schlecker gegeben. "Die Verantwortung liegt bei Philipp Rösler und Rainer Brüderle", sagte Bsirske. Der FDP-Parteichef und der Fraktionschef hätten eine Transfergesellschaft verhindert und damit die größte Insolvenz in der Geschichte der Bundesrepublik besiegelt.

Rösler erklärte, es sei in einer sozialen Marktwirtschaft nicht Aufgabe des Staates, Unternehmen zu retten. Das wäre wettbewerbsverzerrend und würde an anderer Stelle viele Arbeitsplätze kosten. Gleichzeitig betonte er: "Die Sorgen der Mitarbeiterinnen kann ich verstehen, sie können sich aber auf das umfangreiche Hilfsangebot der Bundesagentur für Arbeit verlassen." Erfreulich sei, dass der Arbeitsmarkt derzeit im Einzelhandel viele Chancen auf Weiterbeschäftigung biete.

Rainer Brüderle schob die Schuld auf unternehmerische Fehlentscheidungen. "Aber auch die Gewerkschaften haben mit ihren wiederholten Aufrufen zum Käuferstreik bei Schlecker dazu beigetragen, dass die Marktposition von Schlecker gegenüber den Mitbewerbern geschwächt wird", sagte der FDP-Fraktionschef.

Mit der Insolvenz stehen auch die mehr als 13.200 Mitarbeiter in Deutschland vor dem Aus. Heute Vormittag war die letzte Frist der drei größten Gläubiger für eine Schlecker-Rettung durch einen Investor ausgelaufen - sie konnten die Gläubiger nicht überzeugen. Ende März hatten bereits 11.000 Schlecker-Beschäftigte im Zuge der Insolvenz ihren Arbeitsplatz verloren.

Trotzdem sieht Verdi noch Chancen für die Beschäftigten. "Jetzt ist Fantasie und politischer Wagemut gefragt", sagte der rheinland-pfälzische Verdi-Landeschef Uwe Klemens. "Noch einmal darf die Politik nicht scheitern, wenn sie das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in ihren Staat nicht vollständig verlieren will." Verdi forderte mehr Zeit, um die Zukunft der Schlecker-Frauen zu sichern. "Die Zahlung des Insolvenzgeldes muss verlängert werden", forderte Klemens.

Für die Tochtergesellschaften IhrPlatz GmbH (490 Filialen, rund 3.990 Mitarbeiter) und Schlecker XL GmbH (342 Filialen, rund 1.110 Mitarbeiter) gibt es jedoch eine eigenständige Zukunf, hieß es weiter.


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