Das bunte Treiben der Ratingagenturen

Drei Ratingagenturen beherrschen den Markt konkurrenzlos

Seit Beginn der globalen Finanzkrise sind die internationalen Ratingagenturen in den Mittelpunkt der globalen Öffentlichkeit getreten. Vor der Krise vielen Bürgern noch gänzlich unbekannt, bestimmen sie zunehmend die Schlagzeilen. Die Kreditwürdigkeit von immer mehr Ländern wird von ihnen herabgestuft. Ihre Einschätzungen können Großunternehmen und ganze Staaten der Insolvenz näher bringen. Sie bestimmen das Tempo der derzeitigen Finanzkrise. Dabei sind ihre Arbeitsmethoden heftig umstritten.

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Standard & Poor's Zentrale
Standard & Poor's beherrscht gemeinsam mit Moody's den Markt zur Einstufung von Kreditwürdigkeiten von Staaten und Unternehmen. Es bleibt abzuwarten, ob die EU deren marktbeherrschende Stellung brechen kann. © dpa, Justin Lane

Drei Ratingagenturen mit langer Geschichte und US-amerikanischen Wurzeln beherrschen den weltweiten Markt für die Benotung der Kreditwürdigkeit von Unternehmen und Staaten: Standard & Poor's (S&P), Moody's und Fitch. Obschon es noch viele kleinere Ratingagenturen gibt, teilen diese drei den globalen Markt unter sich auf. Allein S&P und Moody's erwirtschaften rund 80 Prozent der weltweiten Ratinggeschäfte. Nach Informationen des 'manager magazins' können sich die Aktionäre der beiden Unternehmen durch Gewinne von 1,5 Milliarden Dollar über 40 Prozent Rendite freuen.

Dabei wirft die Tatsache, dass S&P und Moody's zu einem Großteil von einem Netzwerk mächtiger US-Finanzkonzerne kontrolliert wird, weitere Fragen auf. Das Magazin berichtet weiter, dass die beiden Agenturen über Großaktionäre enger miteinander verflochten sind, als es bisher den Anschein hatte. Danach befindet sich S&P zu 38 Prozent im Besitz von untereinander verbundenen, sieben Großaktionären. Diese sieben Großaktionäre halten neben den 38 Prozent an S&P, auch mehr als 48 Prozent Anteile an Moody's.

Doch neben monopolartiger Stellung und gemeinsamen Aktionären lässt auch die Geschäftsstruktur der Anteilseigner die Agenturentätigkeiten ins Zwielicht rücken. Denn eigentlich sollten die Ratingagenturen eben diese Finanzunternehmen, die Teilhaber an ihnen selbst sind, unabhängig in ihrer Kreditwürdigkeit kontrollieren und einstufen. So macht die Besitzerstruktur der Agenturen sprichwörtlich den Bock zum Gärtner. Eine Studie der Unternehmensberatung Roland Berger, auf die sich das 'manager magazin' beruft, kommt dabei zu dem Schluss, dass die Besitzer der Agenturen tendenziell in ihren anderen Geschäften davon profitieren. Außerdem würde dadurch vermieden, dass sich die beiden Agenturen gegenseitig ernsthafte Konkurrenz machten. Allerdings sei es fraglich, ob diese Verquickung für ein Kartellrechtsverfahren durch die EU ausreiche, obwohl diese den Brüsseler Kommissaren böse aufstößt.

Zerschlagung der Ratingagenturen gefordert

Immer wieder werden die oligopolistischen Strukturen der Ratingagenturen und die mangelnde Transparenz ihrer Arbeitsweise und Ergebnisfindung von EU-Beamten kritisiert. So wurde ihnen vorgeworfen, im Vorfeld der Finanzkrise in den USA versagt zu haben, denn gerade sie hätten die Immobilienblase kommen sehen müssen. Diese war Ausgangspunkt und erster Paukenschlag der internationalen Finanzkrise. Seitdem werten die Agenturen in immer kürzeren Abständen, immer gnadenloser und teilweise ungerechtfertig, so der Vorwurf einiger EU-Beamter, die Kreditwürdigkeit von Staaten ab.

EU-Justizkommissarin Viviane Reading forderte gar ihre Zerschlagung. Die FDP will den Aufbau unabhängiger Ratingagenturen in Europa vorantreiben. "Die Vormachtstellung der drei amerikanischen Agenturen Standard & Poor's, Moody's und Fitch ist nicht sinnvoll", sagte sogar der wirtschaftsliberale FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle.

Die EU will mittlerweile reagieren. Der Kommissar für Binnenhandel und Dienstleistung, Michel Barnier, will die Macht der Ratingagenturen offenbar mit neuen Gesetzen brechen, so das 'manager magazin': neue Rivalen sollen zugelassen werden, die Agenturen künftig von den Investoren und nicht von den Emittenten bezahlt werden. Außerdem sollen in Zukunft stärkere Haftungsregeln für sie gelten.


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