Das Gesicht Südafrikas: Darum fällt der Abschied von Mandela so schwer

'Letzter Held' ringt mit dem Tod

"Die Unterdrückten und die Unterdrücker gleichermaßen zu befreien", das ist das Lebensmotto des ersten schwarzen Präsidenten Südafrikas. Nelson Mandela ist für das Land am Kap der Guten Hoffnung ein Nationalheld, der Vater ihrer Nation. Doch auch über die Landesgrenzen hinweg gilt er als einer der letzten großen Freiheitskämpfer und Helden. Seit Wochen ringt der 94-Jährige mit dem Tod, wird laut einem Bericht der 'Citizen' inzwischen künstlich beatmet und muss wegen Nierenversagens alle drei Stunden zur Dialyse. Die Ärzte haben der Familie laut dem Blatt angeboten, über die Abschaltung der lebenserhaltenden Maßnahmen zu entscheiden - doch der Abschied vom Friedensnobelpreisträger fällt nicht nur den Südafrikanern schwer.

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Nelson Mandela: Darum fällt der Abschied so schwer.
Mit seinen Reden begeisterte Nelson Mandela seine Nation, aber auch die Welt. Er ist einer der letzten großen Helden im Kampf um die Freiheit. © Reuters, JONATHAN EVANS

Denn der 1918 als Sohn eines Stammeshäuptlings geborene Nelson Rolihlahla Mandela steht für den Traum der Gleichberechtigung. Er bezahlte seinen unermüdlichen Kampf gegen das rassistische Apartheid-Regime mit einer 27-jährigen Gefängnisstrafe. Doch nach seiner Entlassung zeigte er keine Verbitterung, sondern hielt eine versöhnende Rede, die ihm bis heute weltweite Sympathie und Anerkennung einbringt. Neben Martin Luther King und Malcolm X gilt Mandela als wichtigster Vertreter im Kampf gegen die weltweite Unterdrückung der Schwarzen.

Auch deswegen ist es nicht verwunderlich, dass ganz Südafrika im Gebet für Mandela vereint ist. Er hat ihnen die Unabhängigkeit gebracht, die Überwindung der Kluft zwischen Schwarz und Weiß. Hunderte versammeln sich in diesen Tagen vor dem Krankenhaus, in dem er seit Anfang Juni wegen einer Lungenerkrankung liegt. Sie singen und tanzen für ihn, legen Blumen nieder, lassen Ballons gen Himmel steigen und schreiben Briefe. Die Anteilnahme ist riesig – in Südafrika, aber auch in anderen Ländern. "Er hat die Herzen eines jeden Südafrikaners berührt, aber auch der Menschen auf dem ganzen Erdball. Sein Tod wäre ein enormer Verlust für uns alle", fasst eine Frau vor dem Krankenhaus in Pretoria die Situation und Mandelas Ansehen zusammen.

Sein Werk gilt als südafrikanisches Wunder

Was Mandela vollbrachte, wird oft als das südafrikanische Wunder gepriesen. Denn mit seinem unermüdlichen Einsatz für Versöhnung zwischen Schwarzen und Weißen hat er das Land vor einem Bürgerkrieg bewahrt.

Mit seinem Einsatz gegen Aids und für Kinder rührte Mandela weltweit zu Tränen. Er brachte Menschen zusammen, sorgte dafür, dass Südafrikaner aller Hautfarben 1994 erstmals gemeinsam ein Parlament wählten – und wurde der erste schwarze Präsident des Landes.

Er ist der Mann, der bereit war, sich für die Freiheit anderer zu opfern, der mit seinen Reden begeisterte und sich nie über andere stellte – Nelson Mandela ist einer der letzten großen Helden. Auch deswegen wollen ihn so viele noch nicht gehen lassen.