Das ist die neue Bildungsministerin Johanna Wanka

Erste ostdeutsche Ministerin in westdeutschem Bundesland

Die Kombination aus schwarz-gelber Wahlniederlage in Niedersachsen und Rücktritt von Annette Schavan verhilft Johanna Wanka zu einem Karrieresprung: Die bisherige niedersächsische Wissenschaftsministerin steigt zur Bundesbildungsministerin auf. Damit setzt die ostdeutsche Kanzlerin auf eine erfahrene CDU-Bildungspolitikerin aus der ehemaligen DDR, die schon in zwei Bundesländern Wissenschaftsministerin war.

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Johanna Wanka neue Bundesbildungsministerin Nachfolge Schavan
Johanna Wanka kommt wie Angela Merkel aus Ostdeutschland und ist promovierte Mathematikerin. © REUTERS, FABRIZIO BENSCH

Von 2000 bis 2009 leitete die 61-Jährige in Brandenburg während der SPD/CDU-Koalition das Hochschulressort. 2010 wechselte sie als Wissenschaftsministerin nach Niedersachsen. Damit war sie die erste Ostdeutsche, die Ministerin in einem westdeutschen Bundesland war. Wanka ist Bildungskoordinatorin der unionsgeführten Bundesländer in der Kultusministerkonferenz (KMK).

"Ich danke der Bundeskanzlerin für das in mich gesetzte Vertrauen", sagte Wanka in einer ersten Reaktion. "Persönlich bedauere ich es sehr, dass Annette Schavan nicht mehr Bundesbildungsministerin sein wird. Sie hat für die Bildung in Deutschland außerordentlich viel erreicht."

Mit ihrer Erfahrung dürfte Wanka weniger als Notbesetzung angesehen werden als dies etwa im Fall einer Ernennung des abgewählten niedersächsischen Ministerpräsidenten David McAllister (CDU) der Fall gewesen wäre. Sie gilt als konservativ und pragmatisch. In der Wissenschaftspolitik agierte sie bisher allerdings eher farblos.

Auffallende Parallelen zwischen Merkel und Wanka

Wanka wurde am 1. April 1951 im sächsischen Rosenfeld geboren. Von 1970 bis 1974 studierte sie in Leipzig Mathematik. Anschließend arbeitete sie bis zum Oktober 2000 an der Technischen Hochschule Merseburg in Sachsen-Anhalt, von 1994 an als Rektorin. Ihre Doktorarbeit hat Wanka über das Thema "Lösung von Kontakt- und Steuerproblemen mit potential-theoretischen Mitteln" geschrieben und 1980 abgeschlossen - im gleichen Jahr wie Annette Schavan.

Auffallend sind neben der ostdeutschen Herkunft weitere Parallelen zwischen der Kanzlerin und ihrer neuen Ministerin: Merkel ist Physikerin, Wanka Mathematikerin. Beide sind mit Hochschuldozenten verheiratet, im Fall der designierten Bundesbildungsministerin ist es ein Mathematik-Professor, der in Merseburg tätig ist. Wanka ist zudem typisch für eine Gruppe ostdeutscher Politiker, die in der DDR wegen ihrer naturwissenschaftlichen Betätigung politisch unbelastet blieben und nach der Wende dann politische Karriere machten.

1993 erhielt Wanka einen Ruf als Professorin für Ingenieurmathematik an die Hochschule Merseburg. Im März 1994 wurde sie zur Rektorin der Hochschule gewählt und übte dieses Amt bis zu ihrer Berufung als Ministerin in Brandenburg im Oktober 2000 aus. Zu diesem Zeitpunkt war sie noch parteilos. Erst im März 2001 trat sie in die CDU ein.

Die zweifache Mutter war ab Frühjahr 1989 in der Bürgerbewegung der DDR aktiv und Gründungsmitglied des Neuen Forums in Merseburg, für das sie auch von 1990 bis 1994 Mitglied des Kreistags war.

Grünen-Fraktionschef und -Spitzenkandidat Jürgen Trittin kommentierte die Schavan-Nachfolge auf ganz eigene Weise: "Für die Bundestagswahl ist Wankas Berufung aber ein gutes Signal: In allen Kabinetten, in denen sie Ministerin war, war die CDU nach den nächsten Wahlen nicht mehr in der Regierung."