Das kranke Geschäft mit den Operationen

Massig Operationen in Deutschland
Gemessen an der Bevölkerungszahl liegt Deutschland bei der Zahl der Operationen weltweit an der Spitze. © dpa, Rolf Haid

"Viele halten ihren Arzt für unfähig"

Die Zahl der Operationen in Deutschland steigt und steigt. Seit 2005 um mehr als ein Viertel. Auch die Patienten tragen laut der Einschätzung des Gemeinsamen Bundesausschusses von Ärzten und Krankenkassen eine Mitverantwortung. Denn ihr Anspruchshaltung sei in den vergangenen Jahren "unglaublich" gewachsen, sagte der Vorsitzende des Gremiums, Josef Hecken, der 'Berliner Zeitung'.

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"Es sind doch nicht immer die Krankenhäuser, die aus Geldgründen Eingriffe vornehmen wollen. Es sind häufig die Patienten, die Behandlungen einfordern", sagte Hecken. "Viele halten doch ihren Arzt inzwischen für unfähig, wenn er von einem Eingriff abrät und einfach nur ein paar Tage Bettruhe verordnet."

Eine Antwort des Bundesgesundheitsministeriums auf eine Anfrage der Linksfraktion hatte ergeben, dass die Zahl der Operationen in Deutschland seit 2005 um mehr als ein Viertel gestiegen ist. Gemessen an der Bevölkerungszahl liegt Deutschland damit weltweit an der Spitze.

Viele, aber nicht zu viele OPs?

Häufig würden nur die Vorteile einer Behandlung gesehen und die Risiken völlig ausgeblendet, meinte der Vorsitzende des Bundesausschusses. "Da muss ein Umdenken stattfinden. Denn: Weniger ist oft mehr", betonte Hecken.

Dagegen vertrat Ärztepräsident Frank-Ulrich Montgomery die Meinung, aus den Statistiken lasse sich bestenfalls herauslesen, dass in Deutschland viel operiert werde - "aber nicht belegen, dass zu viel operiert wird".

Wenn man die Schmerzen von Hüftarthrose-Patienten in Rechnung stelle, die etwa in Schweden sechs Monate bis ein Jahr auf eine Operation warten müssten, sei die hohe Zahl von Hüftoperationen hierzulande ein Qualitätsmerkmal, sagte er den 'Ruhr Nachrichten'. Der Anstieg der Rücken-Operationen sei hoch, weil sie bis vor zehn Jahren noch kaum gemacht worden seien.

Man könne jedoch nicht ausschließen, dass auch einmal ein Patient zu viel operiert werde, räumte Montgomery ein. "Es gibt Anreizsysteme, die nahelegen, dass auch aus ökonomischen Gründen operiert wird." Die Ärzte seien aber durch Qualitätskontrollen bemüht, dies zu verhindern.


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