Das Pistorius-Urteil: Jetzt spricht exklusiv die Mutter der Ex-Freundin

"Es hätte meine Tochter sein können"

Der Paralympics-Star Oscar Pistorius hat sich der fahrlässigen Tötung von Reeva Steenkamp schuldig gemacht - das entschied das Gericht in Pretoria. Doch das Urteil erhitzt die Gemüter: Neben Freudentränen auf der einen, gibt es vor allem Entsetzen auf der anderen Seite. Denn vorerst verlässt Pistorius das Gericht als freier Mann. Wie sich nun die Eltern des Opfers fühlen müssen, das erklärt uns Trish Taylor, die Mutter von Pistorius' Exfreundin, in einem exklusiven Interview.

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Als die Eltern von Reeva Steenkamp das Urteil erfahren, nehmen sie es fast regungslos und mit versteinerter Miene hin. Wie tief ihr Schmerz sein muss, kann wohl am ehesten jemand nachvollziehen, dessen Tochter an Reevas Stelle hätte sein können. Trish Taylors Tochter Samantha war auch lange mit Oscar Pistorius zusammen. Fassungslos und tief berührt erklärt die Mutter: "Man fühlt so sehrt mit jemandem mit, der seine Tochter verloren hat."

Sie kennt den Sportler schon seit Jahren und weiß, er hat bereits früher nie einen Hehl daraus gemacht, dass er Waffen besitzt. "Ich habe nie gesehen, dass er eine Waffe benutzt, aber ich habe seine Waffe immer gesehen. Er hatte sie eigentlich immer griffbereit.", erklärt Taylor. Außerdem habe er seine Emotionen selten im Griff gehabt, sei oft sehr zornig und aufgewühlt gewesen.

"Nach deutschem Recht wäre das eine vorsätzliche Tötung gewesen"

Um so unverständlicher erscheint es also für viele, dass Pistorius nicht des vorsätzlichen Mordes schuldig gesprochen wurde. Dafür hätte es, so Richterin Masipe, nicht genug Beweise gegeben. Allerdings – und das erscheint vielen Beobachtern absurd - bescheinigte die Richterin dem 27-Jährigen, die Waffe bewusst verwendet zu haben.

Warum dann also dieses Urteil? Spielten etwa Geld, Promistatus oder seine Behinderung eine Rolle? Fest steht, dass die Familie des Sportlers sehr wohlhabend ist und auch der Anwalt, der Pistorius vertritt, ist einer der teuersten des Landes. Die deutsche Anwältin Chantal Richter ist sich sicher, dass das Urteil in Deutschland anders ausgefallen wäre. "Nach deutschem Recht wäre das eine vorsätzliche Tötung gewesen, weil Oscar Pistorius auf einen Menschen geschossen hat, der hinter der Tür stand. Er dachte zwar, dass es sich um einen Einbrecher handelt, aber der Irrtum ist in Deutschland unbeachtlich."

Mit welcher Motivation der 27-Jährige auf die Badezimmertür feuerte, weiß nur er. Den Gerichtssaal verließ Oscar Pistorius jedenfalls ohne Handschellen. Wann und ob er eine Haftstrafe antreten muss, ist bis jetzt noch offen. Fahrlässige Tötung bedeutet im schlimmsten Fall 15 Jahre Haft - im besten Fall jedoch, kommt der Sportler mit einer Bewährungsstrafe davon.