'DeadSocial': Der erste Schritt zur Unsterblichkeit?

Unsterblichkeit in der digitalen Welt

Ein Leben nach dem Tod, das unbeugsame Streben nach der Unsterblichkeit, die verschiedenen Vorstellungen vom Jenseits – die Menschen beschäftigen sich seit Jahrhunderten mit dem Tod und der Frage: Was kommt danach? Der Brite James Norris aus London versucht mit Hilfe der digitalen Welt, diesen Bedürfnissen endlich Abhilfe zu schaffen.

- Anzeige -
DeadSocial, James Norris,soziales Netzwerk
Ein Leben nach dem Tod: Das neue soziale Netzwerk 'DeadSocial' ermöglicht Versenden von Nachrichten nach dem Tod. © imago sportfotodienst

Die neuen Möglichkeiten des Internets und die innovativen Angebote von sozialen Netzwerken machen es möglich. Seit Ende April existiert im Netz die Beta-Version von 'DeadSocial': Ein Netzwerk, dass den Nutzern ermöglicht, ihre Profile vor dem Tod so zu steuern, dass nach ihrem Ableben Freunde und Verwandte nette Nachrichten aus dem Jenseits empfangen.

Die User bekommen auf der Seite die Möglichkeit, ihren kostenlosen 'DeadSocial'-Account mit bestehenden Profilen, zum Beispiel bei Facebook oder Twitter, zu verbinden. Danach können Fotos, Videos, Statusmeldungen, Musik oder Nachrichten hochgeladen werden, die allerdings nicht sofort in den bestehenden Social-Media-Profilen erscheinen, sondern für die Zeit nach dem Tod des Nutzers angelegt sind.

Die lebende Person wählt zu jedem Beitrag ein Zeitintervall nach dem Tod aus, an dem der Post in den verbundenen Netzwerken erscheinen soll. Meldet eine zuvor bestimmte Person des Vertrauens den Tod des 'DeadSocial'-Nutzers auf der Plattform, werden die Botschaften des Verstorbenen freigeschaltet und nach der ausgesuchten Zeit in den verschieden bestehenden Netzwerken gepostet.

Geschmacklos oder Hilfe für die Hinterbliebenen?

Dem Gründer des 'Toten-Netzwerks', James Norris, kam die Idee, als er ein Interview mit dem britischen Komiker Bob Monkhouse im Fernseher sah. Dieser berichtete über ein Video, das er vor seinem Krebstod im Jahr 2003 aufgenommen hatte. Norris war sofort begeistert von der Idee. "Er wollte, dass das Video vier Jahre nach seinem Tod ausgestrahlt wird. Das war unglaublich eindrucksvoll", wird Norris im 'Wall Street Journal' zitiert. Außerdem habe ihn die neue Facebook-Timeline inspiriert, welche eine Chronologie der Ereignisse im Leben des Nutzers zeigt. "Warum sollte sie nach dem Tod aufhören? Es scheint wie die logische Fortsetzung. Warum sollte der Tod diese Unterhaltung unterbrechen?", sagte Norris.

Die Reaktionen auf die neue Netzwerk-Plattform reichten von Verwirrung bis hin zu bloßem Entsetzen. Das 'Wall Street Journal' berichtete zum Beispiel von einer Internet-Konferenz, auf der Norris seine Idee vorstellte. Die meisten Zuhörer fanden das 'Zombie-Netzwerk' geschmacklos. Norris ist trotz der Kritik von seinem Vorhaben überzeugt: "DeadSocial kann für den Schreiber der Nachrichten genauso therapeutisch sein wie für die Menschen, die sie nach seinem Tod erhalten. Man überlege nur, wie unglaublich es wäre, jetzt von einem verstorbenen Freund oder Familienangehörigen eine Nachricht zu erhalten."

Bis jetzt ist die Frage nach der gesetzlichen Umsetzbarkeit, den Tod eines Menschen in der digitalen Welt zu verarbeiten, relativ neu. In einigen Staaten der USA wurden allerdings schon Gesetze erlassen, die die Verwendung von ähnlichen Plattformen regeln. 'If i die' gibt der noch lebenden Person zum Beispiel die Möglichkeit, mit Hilfe einer Facebook-App nach dem Tod Nachrichten unter dem eigenen Namen zu versenden. Dabei handelt es sich um genau eine Text- oder Videonachricht, die Freunden oder der Familie hinterlassen werden kann. Um die Nachricht freizugeben, müssen drei Facebook-Freunde des Verstorbenen als Zeugen benannt werden, die den Tod bestätigen können.

Ein großes Risiko und sicherlich Anlass für künftige Diskussionen könnte die Nutzungsintention dieser Plattformen sein. "Es besteht die Gefahr, dass ein solches Angebot zur Abrechnungs-Plattform verkommt. Vorher aufgezeichnete Nachrichten können ohne Absprache mit den Angehörigen viel Leid verursachen", so der Geschäftsführer von 'Trauerhilfe.at' Werner Jesacher gegenüber 'pressetext'.


- Anzeige -