Demonstrationen in ganz Deutschland: Tausende gehen für Abschiebestopp nach Afghanistan auf die Straße

Demonstanten protestieren am 11.02.2017 in Düsseldorf (Nordrhein-Westfalen) gegen die Abschiebung afghanischer Staatsbürger. Tausende Menschen haben in zahlreichen Städten bundesweit für einen sofortigen Abschiebestopp nach Afghanistan demonstriert.
Demonstration gegen Abschiebungen nach Afghanistan © dpa, Georg Wendt, dy lof

Abschiebungen nach Afghanistan sind stark umstritten

Bund und Länder wollen deutlich mehr Migranten aus Deutschland abschieben. Vor allem Abschiebungen nach Afghanistan sind aber stark umstritten. Das Land sei alles andere als sicher, sagen Kritiker - und gehen zu Tausenden auf die Straße.

- Anzeige -

Tausende Menschen haben in zahlreichen Städten bundesweit für einen sofortigen Abschiebestopp nach Afghanistan demonstriert. Allein in Düsseldorf gingen rund 2.000 Demonstranten auf die Straße, in Hamburg nach Polizeiangaben rund 1.500. In Nürnberg waren es bis zu 800, in Augsburg rund 400 Menschen. Proteste gab es auch in Hannover und Erfurt. 

Der Flüchtlingsrat NRW erklärte, Afghanistan sei nicht sicher. Vielmehr habe sich die Lage nach einem Bericht des UN-Flüchtlingshilfswerks zuletzt noch einmal verschlechtert. Bund und Länder hatten sich bei einem Flüchtlingsgipfel am Donnerstag mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) darauf verständigt, dass es deutlich mehr Abschiebungen geben soll. Umstritten blieben aber vor allem Rückführungen nach Afghanistan, wo radikal-islamische Talibankämpfer immer wieder Anschläge verüben. 

Vom bayerischen Flüchtlingsrat hieß es, die Angst vor einer Abschiebung sei unter den in Bayern lebenden Afghanen groß. "Die Leute trauen sich teilweise nicht mehr in die Berufsschule." Die Staatsregierung müsse diesem Klima der Angst und Panik ein Ende setzen.

Laut Flüchtlingsrat NRW gab es in Afghanistan von Januar bis September 2016 mit 5.835 verletzten und 2.562 getöteten Zivilisten so viele Opfer wie seit 2009 nicht mehr. Nicht einzelne Regionen, sondern das gesamte Land sei vom Kampf zwischen Regierungstruppen und Taliban betroffen. Die Sammelabschiebungen mit zwei Flügen im Dezember und Januar seien ein Tabubruch gewesen, der sich nicht wiederholen dürfe.

Protestzug in Berlin

In Berlin zog am Samstag ein Protestzug vom Brandenburger Tor zum Aleanderplatz. Die Polizei sprach von rund 200 Teilnehmern, der Flüchtlingsrat Berlin von bis zu 2.000 Menschen. Die Hamburger Organisatoren erklärten zu der Situation in Afghanistan: "Die Menschen, die zur Rückkehr gezwungen werden, können dort kein Leben in Sicherheit führen. Ein Leben in Würde ist unter diesen Bedingungen undenkbar."

Hamburg hat mit rund 20.500 Mitgliedern bundesweit eine der größten afghanischen Gemeinschaften.  In einem von zahlreichen Organisationen wie etwa Pro Asyl unterzeichneten Brief an Innenminister Thomas de Maizière (CDU) heißt es: "Sie dürfen keine Menschen in ein Land zurückschicken, in dem Krieg, Terror und existenzielle Not und Gefährdung herrschen." Der Minister selbst bewege sich in der afghanischen Hauptstadt Kabul nur in Schutzkleidung und gepanzerten Fahrzeugen. "Sie selbst zeigen uns, wie unsicher es dort ist."


- Anzeige -