Der Castor-Transport ist am Ziel

Polizei und Demonstranten erschöpft

Der Castor ist am Ziel - Polizisten und Transportgegner sind nach fast vier Tagen Dauereinsatz am Ende. Im Schritttempo erreicht der Konvoi um 9.46 Uhr das Zwischenlager Gorleben.

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Ein LKW der Umweltschutzorganisation Greenpeace behinderte den Castor-Transport
Ein LKW der Umweltschutzorganisation Greenpeace behindert den Castor-Transport © dpa, Philipp Schulze

Als sich die Gitter des Zwischenlagers hinter den elf Tiefladern schließen, ist klar: Der Widerstand gegen die Atomkraft in Deutschland hat nicht nur eine Renaissance erlebt, er hat eine neue Qualität erreicht. Noch nie dauerte ein Castor- Transport so lange, noch nie war der Widerstand der Atomkraftgegner aus ganz Deutschland so groß, entschlossen und massiv wie dieses Jahr. Knapp 92 Stunden dauerte die Fahrt, einen Tag länger als geplant.

Immer wieder wurde der Konvoi aufgehalten, zuletzt am Verladebahnhof in Dannenberg durch eine spektakuläre Aktion, bei der sich Greenpeace-Mitglieder in einem als Bierlaster getarnten Lkw angekettet hatten. "Wir haben die Leute mit unseren Protesten zum Umdenken gebracht. Atomkraft ist wieder ein gesellschaftliches Thema", freut sich Jochen Stay von der Aktion 'ausgestrahlt' bei Ankunft des Konvoi vor dem Zwischenlager.

Ihm gegenüber stehen zwei junge Polizisten aus Sachsen, die dort die letzten Meter des Transports sichern. Sie sind einfach nur platt. "Wir sind müde, hungrig und freuen uns aufs Bett", sagt einer der beiden Männer mit dicken Ringen unter den Augen. 27 Stunden haben sie vor dem Zwischenlager gestanden - ohne Schlaf, ohne Essen, weil ihre Versorgung die Sitzblockade der Demonstranten nicht passieren konnte.

Polizeigewerkschaft spricht von politischer Irrfahrt

Insgesamt sind elf Castor-Behälter unterwegs nach Gorleben
Insgesamt sind elf Castor-Behälter unterwegs nach Gorleben © dpa bildfunk, unbekannt

Mehrere tausend Atomkraftgegner haben seit Sonntag vor dem Zwischenlager campiert, teilweise bis zu 44 Stunden saßen sie auf der kalten Straße. Doch die Stimmung der Demonstranten in der Nacht ist blendend. Sie singen und wärmen sich an Lagerfeuern. 'Volxküchen' geben gegen eine Spende warmes Essen aus. Einige Demonstranten schlafen, andere sind vom Adrenalin wie aufgeputscht.

Als die Polizei dann am Morgen mit der Räumung der Blockade vor dem Zwischenlager beginnt, ist die Lage zunächst angespannt, weil nicht klar ist, ob es ohne Krawalle abgeht. Unter den Augen zahlreicher Fernsehkameras bleibt aber zunächst alles friedlich. "Wir danken Ihnen für Ihr Verständnis", sagt ein Polizist ganz höflich zu dem Mann, den er wegträgt. Später wird die Gangart der Polizei ruppiger, Seelsorger schreiten ein.

Um 8.34 Uhr startet der Konvoi am Verladebahnhof Dannenberg auf das letzte Teilstück nach Gorleben. Er wird mit einem lauten Pfeifkonzert verabschiedet. Gelbe X-Kreuze - Zeichen des Anti-Atom- Widerstands im Wendland - säumen die Strecke an Häusern und Straßen. Doch auf dem letzten Teilstück bleibt alles friedlich. Die Demonstranten haben keine Überraschungsaktion mehr in petto.

Alles geht schnell am Ende - nur knapp eine Stunde brauchen die elf Tieflader für das letzte Teilstück, das früher oft am härtesten umkämpft war. Als der Castor das Zwischenlager erreicht, ist keiner der Demonstranten mehr da. Am Wegrand liegen nur noch Iso-Matten, Strohballen und Unmengen von Müll. Aber Demonstranten wie Polizisten ist klar: Beim nächsten Atommüll-Transport nach Gorleben werden sich viele wiedertreffen.

Die Polizeigewerkschaft (GDP) kritisierte die Regierung indes scharf und sprach von einer politischen Irrfahrt. Die Polizei sehe sich immer mehr als Erfüllungsgehilfe zum politischen Machterhalt, sagte GDP-Chef Konrad Freiberg. "Es war ein politischer Fehler den mühsam errungenen Atomkonsens aufzukündigen." Zudem sei die Polizei in den vergangenen Jahren personell geschwächt worden. "Ich fordere die Bundesregierung und die Länder auf, diese fatalen Irrfahrten zu korrigieren." Ein Einsatz in dieser Größenordnung müsse einmalig bleiben.