Der Meeresspiegel steigt viel schneller als berechnet

Doha, Klima, Meeresspiegel steigt
Klimatische Veränderungen werden immer gravierender: Auch der Meeresspiegel steigt schneller als erwartet. © dpa, Christiane Oelrich

Dringender Handlungsbedarf: Kiribati könnte schon in 50 Jahren verschwunden sein

Bisher war es immer eine Schreckensvision der Forscher, doch mittlerweile sind die klimatischen Veränderungen so gravierend, dass wir möglicherweise das Verschwinden eines ganzen Staates noch miterleben werden. Schon in 50 Jahren könnte der pazifische Inselstaat Kiribati in großen Teilen von der Landkarte verschwunden sein. Dies teilte Kiribatis Präsident Anote Tong unlängst mit. Der Großteil des weiträumig im Pazifik verteilten Landes befindet sich weniger als zwei Meter über dem Meeresspiegel, die meisten der 100.000 Einwohner leben direkt am Meer.

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Kiribati wird eines der ersten Opfer des Klimawandels werden, der Präsident sucht schon nach Land für seine Bürger. Anlässlich der derzeit laufenden Klimakonferenz in Doha/Katar warnen prominente Umweltschützer, Aktivisten, Wissenschaftler und Autoren vor den starken Veränderungen unseres Klimas.

Der Meeresspiegel steigt viel schneller als erwartet und der Anstieg, verursacht durch das Abschmelzen der Eismassen in der Arktis und der Antarktis, bedroht vor allem die armen Länder dieser Welt, zum Beispiel Bangladesch, das einen völlig unzureichenden Schutz vor steigendem Meerwasser hat.

Thailand, Kambodscha und Pakistan litten 2011 am meisten unter dem Klimawandel, wie eine neue Studie der Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch zeigt. Experten finden immer klarere Belege dafür, dass bestimmte Wetterphänomene Folgen des Klimawandels sind, heißt es im Klima-Risiko-Index, den Germanwatch in Doha vorstellte.

Meeresspiegel steigt um 3,2 Millimeter pro Jahr

Der Meeresspiegel steigt einer Studie zufolge viel rascher als vorausgesagt. Er klettere derzeit um 60 Prozent schneller als Wissenschaftler noch vor einigen Jahren berechnet hatten. Das geht aus einer Studie hervor, die ein Forscherteam um Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung in den 'Environmental Research Letters‘ des britischen Institute of Physics (IOP) in London veröffentlicht hat.

Satellitenmessungen haben demnach ergeben, dass der Meeresspiegel derzeit nicht wie vom Weltklimarat berechnet um 2, sondern um 3,2 Millimeter pro Jahr steigt. UN-Experten warnen vor Gefahr durch auftauende Dauerfrostböden

Das UN-Umweltprogramm Unep und US-Forscher warnen eindringlich davor, das Auftauen der riesigen Dauerfrostböden zu unterschätzen. Die arktischen Böden enthalten einem neuen Bericht zufolge rund 1.700 Gigatonnen (Milliarden Tonnen) Kohlenstoff - doppelt so viel, wie derzeit in der Atmosphäre kursiere. Dieser wird beim Auftauen nach und nach als Kohlendioxid (CO2) und in Form des noch stärkeren Treibhausgases Methan freigesetzt. Die dadurch drohende Gefahr werde zu wenig beachtet, mahnten die Experten bei der Präsentation des Unep-Berichts in Doha. Die betroffenen Länder, namentlich Russland, Kanada, China und die USA, sollten die Böden mit besseren Methoden überwachen. "Das Entweichen von CO2 und Methan aus den sich erwärmenden Permafrostböden ist irreversibel“, betonte der Hauptautor des Reports, Kevin Schaefer, der am Nationalen Schnee- und Eisdatenzentrum der USA (NSIDC) forscht.

Der Klimawandel ist also beileibe nicht mehr eine ferne Zukunftsvision, er ist in vollem Gange und nicht wenige Menschen sehen sich jetzt schon damit konfrontiert. In den vergangenen 20 Jahren verursachten weltweit 15.000 Wetterextreme mehr als 530.000 Todesfälle.


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