Deutsche Firma lieferte Silikon für Billig-Brustimplantate

Industrielle Dichtungsmasse statt medizinischer Kunststoff

Der deutsche Chemikalienhändler Brenntag hat Industriesilikon an den französischen Hersteller von Brustimplantaten Poly Implant Prothese (PIP) geliefert. "Wir haben das Produkt an PIP geliefert und sind mit den französischen Gesundheitsbehörden in Kontakt", sagte ein Brenntag-Sprecher. Es habe sich um ein unter dem Namen ‘Baysilone‘ bekanntes Material gehandelt, das etwa als Dichtungsmasse in der Baubranche eingesetzt werde.

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Silikon-Skandal
Der deutsche Chemikalienhändler Brenntag hat Industriesilikon an den französischen Hersteller von Brustimplantaten Poly Implant Prothese (PIP) geliefert.

Das französische Unternehmen PIP hatte Brustimplantate mit Industriesilikon gefüllt statt mit einem medizinischen Kunststoff. Bei zahlreichen Kissen sind inzwischen Risse aufgetreten – das Silikon soll sich in den Körpern der betroffenen Frauen verteilt haben. Kritikern zufolge könnte der Stoff krebserregend sein.

Frankreich hat rund 30.000 Patientinnen aufgefordert, sich die Implantate wieder herausoperieren zu lassen. Deutschland, Großbritannien und Brasilien haben betroffene Frauen aufgefordert, einen Arzt aufzusuchen. Insgesamt sollen weltweit bis zu 300.000 Frauen betroffen sein, Die meisten davon leben in Lateinamerika. Zuletzt waren auch in Belgien mehrere Fälle von fehlerhaften Brustimplantaten bekannt geworden.

Interpol jagt ehemaligen PIP-Chef

Interpol fahndet nach dem Gründer der französischen Firma, deren fehlerhafte Brustimplantate weltweit Hunderttausenden Frauen eingesetzt wurden. Eine entsprechende 'Red Notice' - ein Steckbrief mit Fotos von Jean-Claude Mas - wurde auf Antrag Costa Ricas auf der Internetseite der Internationalen Polizeibehörde veröffentlicht. Der Grund ist allerdings nicht der Silikon-Skandal, der 72-Jährige steht wegen Trunkenheit am Steuer auf der Fahndungsliste.

Doch zumindest in Frankreich muss Mas mit einem Verfahren wegen seiner mutmaßlich unsauberen Geschäftsmethoden rechnen. Mehr als 2.000 betroffene Frauen haben bereits Anzeige erstattet. Alle diejenigen, die mit dem Pfusch um Brustimplantate zu tun hätten, müssten aufgespürt werden, sagte der französische Gesundheitsminister Xavier Bertrand in einer Interviewsendung des Radiosenders Europe 1.