Deutsche Konjunktur: Verbraucher in Kauflaune wie seit 2007 nicht mehr

24.05.2013 | 11:08
Deutsche Konjunktur: Verbraucher in Kauflaune wie seit 2007 nicht mehr Die Einkaufsmeilen sind voll. Experten sehen die guten und stabilen Bedingungen in Deutschland als Grund für die ungebrochen gute Konsumlaune.

Deutsche geben ihr Geld lieber aus statt zu sparen

Die Euro-Zone steckt in der Krise, doch das scheint die deutschen Verbraucher nicht sonderlich zu stören. Im Gegenteil: Die deutschen Bürger sind in Kauflaune wie seit fast sieben Jahren nicht mehr. So steigt das Barometer für das Konsumklima im Juni auf 6,5 Punkte, wie die Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) zu ihrer Umfrage unter 2.000 Verbrauchern mitteilte. "Das ist der höchste Wert seit September 2007", sagte GfK-Experte Rolf Bürkl.

- Anzeige -

Der intakte Arbeitsmarkt, gute Tarifabschlüsse sowie eine sinkende Inflation stützten die gute Stimmung. Hinzu komme die niedrige Sparneigung, die im Mai auf einen neuen historischen Tiefstwert gesunken ist. "Dies ist vermutlich auch auf die Entscheidung der Europäischen Zentralbank zurückzuführen, die Zinsen in der Euro-Zone noch einmal zu senken, um die Konjunktur anzukurbeln", sagte Bürkl.

Trotz der Rezession in der Euro-Zone sei der Optimismus der Deutschen ungebrochen. Das zeigt sich auch bei der Neigung der Bürger, teurere Güter wie etwa Möbel oder Fernseher anzuschaffen. Das entsprechende Barometer legte um 0,1 Punkte zu und weist nun 37,7 Punkte auf. Dies ist der höchste Wert seit März 2012. "Aufgrund des hohen und stabilen Beschäftigungsniveaus haben die Verbraucher kaum Angst davor, ihren Job zu verlieren", sagte Bürkl. "Dies sorgt für hohe Planungssicherheit, was gerade für größere Anschaffungen eine wichtige Voraussetzung ist." Das niedrige Zinsniveau steigere zudem die Anreize, Kredite aufzunehmen. Geld auf die hohe Kante zu legen, sei dagegen eher unattraktiv. Offenbar sei das Augenmerk der Verbraucher in erster Linie auf die guten und stabilen Rahmenbedingungen in Deutschland gerichtet, so Bürkl.

Konsumenten retten Wirtschaft vor der Rezession

Die Konsumenten hatten sich bereits im ersten Quartal als Stütze der deutschen Wirtschaft erwiesen und ein Abrutschen in die Rezession verhindert. Europas größte Volkswirtschaft wuchs im ersten Quartal zwar nur um magere 0,1 Prozent. Die Bürger blicken jedoch wieder optimistischer auf die Wirtschaft: Nach den leichten Verlusten im Vormonat stieg die Konjunkturerwartung im Mai um 1,3 Zähler wieder etwas. Mit aktuell minus 0,2 Punkten liegt der Indikator damit in etwa auf seinem langjährigen Durchschnitt von null Punkten.

Auch die Einkommenserwartung legte im Mai zu. Ein Plus von 3,1 Punkten bedeutet einen Stand von 33,9 Zählern. Ein höherer Wert wurde zuletzt im Juli 2012 mit gut 36 Punkten gemessen. "Tariferhöhungen für eine Reihe von Beschäftigten in Verbindung mit einer rückläufigen Inflationsrate lassen die Verbraucher mehrheitlich vermuten, dass sie auch real mehr Geld in der Tasche haben werden", sagte der GfK-Experte.

Weniger gut sieht es laut Ökonom Christian Schulz (Berenberg Bank) bei den Investitionen aus. “Bei den Unternehmen scheint das Vertrauen noch nicht wieder zurückgekehrt zu sein. Trotz günstiger Finanzierungsbedingungen wird weniger investiert.“ Als möglichen Grund sieht Schulz den langen Winter. Der Export würde ebenfalls schwächeln. “Wichtige Auslandsmärkte wie China wachsen nicht so schnell wie erwartet. Und mit Japan ist ein aggressiver Wettbewerber hinzugekommen“, so Schulz weiter.

Bildquelle: deutsche presse agentur