Deutsche misstrauen Banken - und verlassen sich auf Justiz und Handwerker

Beliebte Handwerker

Handwerker und die Polizei genießen mehr Vertrauen als die Geldinstitute, so lautet das Urteil einer aktuellen Vertrauensstudie der ‘Gesellschaft für Konsumforschung‘ (GfK). Der Finanzsektor hat bei den Deutschen deutlich an Vertrauen verloren. Auch die politischen Parteien sind unbeliebt. Auch Merkels Regierung steht hoch im Kurs.

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Vertrauensstudie Handwerker Banken
Handwerker sind laut einer aktuellen Studie beliebter als Banken. © dpa, Ingo Wagner

Ob Fliesenleger, Tischler oder Elektriker: Sie sind immer willkommen. Das deutsche Handwerk ist mit 87 Prozent Spitzenreiter in der Studie der GfK und hat bei den Bürgern einen sehr guten Ruf. Über Platz zwei freuen sich die Hersteller von Unterhaltungs- und Haushaltsgeräten, Platz drei geht an die Autohersteller. Auch die Polizei und die Justiz stehen auf der Gewinnerseite. 81 Prozent der Befragten vertrauen den Beamten „voll und ganz“.

Sorgen müssen sich hingegen die politischen Parteien (16 Prozent) machen: Sie landen auf dem letzten Platz. Die Bundesregierung konnte allerdings ein Vertrauensplus von fünf Prozentpunkten einfahren: Mit 34 Prozent rangiert Merkels Regierung zwar im hinteren Teil der Liste, jedoch stehen im Vergleich zum Vorjahr fünf Prozent mehr hinter der Kanzlerin und ihrer Mannschaft.

Auch das Vertrauen in Banken hat offenbar unter der Wirtschaftskrise und den Finanzskandalen gelitten: So vertraut nicht einmal mehr jeder dritte Bundesbürger den Institutionen. „Die Deutschen achten ganz besonders auf die Währungssicherheit, und die Banken haben ja letztlich diese Schuldenkrise mitverursacht, die dann dazu geführt hat, dass der Euro so sehr ins Schwächeln gekommen ist“, erläuterte der Geschäftsführer des GfK-Vereins, Raimund Wildner. Im Vergleich zu letztem Jahr (36 Prozent) kommen Unternehmen der Finanz- und Versicherungsbranche auf einen Vertrauenswert von nur 29 Prozent – sieben Prozent weniger als 2011.

Im Mittelfeld rangieren Arzneimittelhersteller (58 Prozent), der Handel (69 Prozent) und sogar die Fluggesellschaften (69 Prozent) – trotz der vielen Flugausfälle und Personalausfälle. Auch für die katholische Kirche hat sich der Zuspruch auf 39 Prozent verschlechtert. Skandale wie die Abweisung eines mutmaßlichen Vergewaltigungsopfers im Januar in Köln und sexueller Missbrauch werden sicherlich nicht dazu beitragen, dass die Bewertung nächstes Jahr positiver ausfällt.

Banken und Versicherungen im Ausland beliebt

Über sämtliche Landesgrenzen hinweg sind sich die Befragten einig: die Bewertung der Hersteller von Unterhaltenselektronik und Haushaltsgeräten sowie der Handwerkerbranche fällt ähnlich positiv aus.

Weltweit verlassen sich fast zwei Drittel der Befragten noch auf die Geldinstitute, sodass

der Vertrauenswert im internationalen Durchschnitt deutlich höher liegt. In Indien halten 80 Prozent der Bürger die Banken- und Versicherungsbranche für seriös. Ausgenommen sind jedoch Italiener und Spanier: Dort traut nicht mal jeder Fünfte den Banken und Versicherungen.

Der ‘Global Trust Report‘ ist eine weltweite Vertrauensstudie und wird jährlich von GfK durchgeführt. Grundlage der Untersuchung sind Interviews mit 28.000 Verbrauchern in insgesamt 25 Ländern. Die Studie basiert auf der Abfrage des Vertrauens in elf Branchen und zwölf Institutionen.


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