Deutsche mit Löhnen unzufrieden - Reallohnzuwachs 2014 möglich

Deutsche mit Löhnen unzufrieden - Reallohnzuwachs 2014 möglich
"Wir sind es wert" finden viele Deutsche und geben an, nicht angemessen bezahlt zu werden. © dpa, Sven Hoppe

Sind die Jahre der Stagnation endlich vorbei?

Deutschland geht es immer noch gut, das ist keine Frage. Doch was die Reallöhne betrifft, mussten die Arbeitnehmer in den vergangenen Jahren gehörige Abstriche machen. Wegen der stark gestiegenen Energiekosten, den Spritpreisen auf Rekordniveau, ständig steigender Mieten und nicht zuletzt auch der Kalten Progression kam trotz Lohnerhöhungen in den Geldbeuteln der Deutschen nichts mehr an.

- Anzeige -

In den vergangenen Jahren hatten die Deutschen Reallohn-Einbußen hinnehmen müssen. EU-weit gesehen ist Deutschland in Sachen Reallohn-Entwicklung unter den Schlusslichtern. Die Reallöhne sind im Vergleich zum Jahr 2000 um etwa 1,8 Prozent gesunken. Lediglich die Krisenstaaten in Südeuropa weisen noch schlechtere Entwicklungen auf.

Grund dafür waren neben der konjunkturellen Krise der vergangenen Jahre vor allem die Reformen auf dem Arbeitsmarkt. Leiharbeit, Hartz-IV-Reformen und bescheidene Abschlüsse bei den Tarifverhandlungen machten Deutschland zwar wettbewerbsfähiger, vergrößerten aber auch die Armut. Mittlerweile ist jeder sechste Deutsche von Armut bedroht.

Vor diesem Hintergrund fragte RTL in einer repräsentativen forsa-Umfrage, wie zufrieden die Deutschen mit ihrem Einkommen sind. Und da gaben 67 Prozent an, dass sie meinen, nicht angemessen bezahlt zu werden. Zwei Drittel also. Nur 27 Prozent fühlen sich gerecht entlohnt.

Selbstbewusste Gewerkschaften üben größeren Druck aus

Jetzt erwarten wirtschaftsnahe Institute wieder eine Steigerung des Reallohns. Nach Ansicht von Ferdinand Fichtner vom Deutschen Institut für Wirtschaft (DIW) hat es Deutschland geschafft, "in gute Position zu kommen wegen der Lohnzurückhaltung", wie er zu RTL sagte. "Insofern ist diese Phase der Lohnzurückhaltung jetzt nicht mehr notwendig. Wir sehen sowohl für dieses als auch für nächstes Jahr relativ kräftige Lohnentwicklungen."

Dann könnte der Aufschwung endlich bei vielen Deutschen ankommen: Bei erwarteten Lohnabschlüssen von zwei bis drei Prozent und einer niedrigen Inflation von derzeit rund einem Prozent bliebe ein Plus. Unter dem Strich erwarten Experten, dass die reale Kaufkraft durchschnittlich um 1,5 Prozent steigen könnte - das wäre der beste Wert seit fast 20 Jahren.

Eine Steigerung wäre auch im Interesse der Gewerkschaften, die in der jüngeren Vergangenheit wieder selbstbewusster aufgetreten sind, gegen die Arbeitgeber klare Positionen bezogen haben und höhere Lohnzuwächse durchgesetzt haben, wie zuletzt im Öffentlichen Dienst. Wenn der Mindestlohn von 8,50 Euro eingeführt wird, sollten vor allem einkommensschwächere Schichten tatsächlich mehr Geld zur Verfügung haben.

Nicht wenige Ökonomen glauben, dass die Euro-Krise überwunden oder wenigstens abgeschwächt werden kann, wenn die Deutschen wieder mehr Geld in ihrem Portemonnaie haben. Denn wenn die 80 Millionen Deutschen mehr konsumieren, kommt das allen Handelspartnern zugute. Die EU-Kommission mahnte Deutschland bereits an, höhere Tarifabschlüsse zuzulassen, um zum einen den Binnenkonsum anzuregen und zum anderen die Wettbewerbsvorteile, die durch die Lohnzurückhaltung entstanden sind, zu schmälern.


- Anzeige -