Deutscher Autor wird vermisst – Entführung nicht ausgeschlossen

Der gejagte Kritiker

Der deutsche Publizist Hamad Abdel Samad ist in Kairo verschwunden. Die ägyptische Polizei geht offenbar von einer Entführung aus. "Es sei nicht auszuschließen, dass radikale Extremisten für das Verschwinden des Publizisten verantwortlich sind", sagte ein Polizeisprecher.

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Deutscher Autor wird vermisst – Entführung nicht ausgeschlossen
Gilt seit Sonntagnachmittag offiziel als vermisst - Autor und Publizist Hamad Abdel Samad. © dpa, Inga Kjer

In seinem Geburtsland Ägypten, gilt der deutsche Autor bei den Extremisten als Ketzerer und wird als islamfeindlich angesehen.

Seinem Bruder zufolge ist der Autor bereits am Sonntagnachmittag in der Nähe des Al-Azhar-Parks in Kairo verschwunden. Vorher soll Samad seinem Bruder am Telefon berichtet haben, er fühle sich verfolgt.

Der Autor hatte in seinen Veröffentlichungen die Ideologie des politischen Islams kritisiert und für eine moderne Interpretation der Religion geworben. Eines seiner Bücher trägt den Titel 'Der Untergang der islamischen Welt'.

Westerwelle fordert Aufklärung

Nun hat sich auch die Bundesregierung eingeschaltet. Sie fordert von Ägypten eine "schnellstmögliche Aufklärung" über das Schicksal des Publizisten. Der amtierende Außenminister Westerwelle hat sich persönlich in den Vermisstenfall eingeschaltet und fordert eine lückenlose Aufklärung. "Ich bin in Sorge über das Schicksal von Hamed Abdel-Samad. Wir haben die ägyptische Regierung aufgefordert, alles Mögliche zu tun, um den Verbleib von Hamed Abdel-Samad zu klären und für seine Sicherheit zu sorgen", sagte Westerwelle. Der deutsche Botschafter in Kairo, Michael Bock, steht in Kontakt mit der ägyptischen Regierung.

Abdel Samad hatte bei einer Veranstaltung der Bewegung der Säkularen im vergangenen Juni in Kairo über religiösen Faschismus gesprochen. Daraufhin erklärten ihn zwei bekannte ägyptische Salafisten-Prediger für vogelfrei. Seit dem erhielt der Autor Morddrohungen.

Zuletzt wurde er stets von einem Leibwächter begleitet. Auf persönlichen Wunsch hin hatte er diesen zu seiner letzten Verabredung in dem Park jedoch nicht mitnehmen wollen. Mit wem sich der Autor treffen wollte, ist nicht bekannt.

Der Direktor von Abdel Samads ägyptischem Verlag 'Merit', Mohammed Haschim, sagte, er habe den Autor vor drei Wochen zum letzten Mal getroffen, um mit ihm über sein neues Buch zu sprechen. Dieses sollte den Titel 'Der religiöse Faschismus' tragen.