Deutsches Mädchen durchlebt jahrelanges Martyrium

Ein deutsches Mädchen wird als Elfjährige von seiner eigenen Mutter nach Bosnien verschleppt und erlebt in der Familie ihres Stiefvaters ein Martyrium.
Acht Jahre lang wurde das Kind aus Deutschland von ihrem Stiefvater und dessen Frau brutal misshandelt (Foto: Motiv). © picture alliance / ZB, Patrick Pleul

Sie wog nur noch 40 Kilo und war böse verletzt

Was musste dieses Kind für Misshandlungen, Quälereien und Erniedrigungen durchleiden? Ein deutsches Mädchen wird als Elfjährige von seiner eigenen Mutter nach Bosnien verschleppt und erlebt in der Familie ihres Stiefvaters ein Martyrium. Acht Jahre vergehen, bis sie von den Behörden befreit wird. "Wie im schlimmsten amerikanischen Horrorfilm", kommentieren bosnische Zeitungen.

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Nach einem unvorstellbaren Leidensweg ist die heute 19-Jährige vor zehn Tagen in einem Wald nahe des bosnischen Dorfes Gojcin nahe der Stadt Kalesija im Nordosten des Landes gefunden worden. Sie sei auf 40 Kilo abgemagert und weise zahlreiche Verletzungen am ganzen Körper auf, berichtet Staatsanwältin Gordana Tadic in Tuzla.

Die junge Frau, die vermutlich Karla heißt, sei vor acht Jahren von ihrer deutschen Mutter Christina in diese gottverlassene Ecke Bosniens gebracht worden. Die Mutter habe einen heute 52-jährigen Bosnier geheiratet, obwohl der bereits mit einer bosnischen Frau rechtmäßig verheiratet war, so Staatsanwaltschafts-Sprecher Admir Arnautovic. Die 'Zweitfrau' Christina habe ihre Tochter dem Stiefvater überlassen, der sie gemeinsam mit seiner regulären Ehefrau brutal gequält habe.

Karla sei acht Jahre lang auch mit Messern misshandelt und zu schwerster Feldarbeit gezwungen worden, beschrieb die Staatsanwaltschaft das Martyrium. Die Mutter, die während der Zeit in Deutschland und Österreich lebte, habe davon gewusst, aber aus Angst geschwiegen. Inzwischen sei das bosnische Ehepaar verhaftet und ihr Opfer in ein Frauenhaus in Tuzla gebracht worden, wo es sich langsam erhole.

Wurde sie auch vergewaltigt?

Nachbarn erzählten, die kleine Karla habe nicht im Haus, sondern im Viehstall schlafen müssen. Sie habe sich von Schweinefutter ernähren müssen, um nicht zu verhungern. Immer wieder habe ihr Stiefvater Hunde auf sie gehetzt, die sie übel zugerichtet hätten.

Ferner wird behauptet, das Mädchen sei regelmäßig von zahlreichen Männern sexuell missbraucht worden. Das sei noch nicht bewiesen, so die Staatsanwaltschaft. Allerdings bestätigte sie Medienberichte, dass Karla "wie eine Sklavin" behandelt wurde. Ihr sei jeder Kontakt mit der Außenwelt verboten worden. Die Wunden von den vielen Misshandlungen seien niemals medizinisch versorgt worden.

Möglicherweise aus reinem Sadismus hatte Karla nach Beobachtungen von Nachbarn wiederholt einen Leiterwagen wie ein Pferd 400 bis 500 Meter ziehen müssen. Das Horror-Ehepaar habe sich daraus einen Spaß gemacht. Aufgedeckt wurde der Fall durch einen Nachbarn. Er hatte den Fall schon vor Jahren den Behörden gemeldet, doch die hatten das im Keller versteckte Kind nicht finden können. Erst als dem Nachbarn ein Foto von dem geschundenen Mädchen gelang, griffen die Behörden durch. Die junge Frau sei im Wald gefunden worden, wo sie von ihrem Stiefvater versteckt worden war.

Die bosnischen Behörden haben Rechtshilfegesuche an Deutschland und auch an Österreich gestellt, wo die Täter und deren Verwandte jahrelang gearbeitet hatten. Auch werde nach der Mutter von Karla gefahndet. Angeblich soll die Mutter noch drei weitere Mädchen nach Bosnien in die Familie der Peiniger von Karla verheiratet haben, meldeten die Medien. Es sei um die Erschleichung von Arbeits- und Aufenthaltsgenehmigungen in Deutschland und Österreich gegangen.


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