Deutschland und Frankreich feiern 50 Jahre Freundschaft

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Frankreichs Präsident Hollande begrüßte Kanzlerin Merkel unweit des Brandenburger Tores. © dpa, Kay Nietfeld

Gauck empfängt Hollande mit militärischen Ehren

In Berlin haben die Feiern zum 50. Jahrestag der Unterzeichnung des Élysée-Vertrags begonnen, mit dem Deutschland und Frankreich ihre Aussöhnung besiegelt hatten. Zum Auftakt empfing Frankreichs Präsident François Hollande Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in der französischen Botschaft am Brandenburger Tor. Bundespräsident Joachim Gauck begrüßte Hollande im Park von Schloss Bellevue mit militärischen Ehren. Die musikalische Begleitung der Zeremonie war wegen des frostigen Wetters nur eingeschränkt möglich. Bei minus neun Grad konnten die Blechbläser nicht zum Einsatz kommen.

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Anschließend sind eine gemeinsame Kabinettssitzung sowie eine Sondersitzung der beiden Parlamente geplant. Die zentralen Reden werden Merkel und Hollande halten. Mehrere hundert französische Abgeordnete und fast die komplette Regierung sind zu den Feierlichkeiten nach Berlin gekommen. Es ist das erste Mal, dass der Bundestag ein fast komplettes ausländisches Parlament zu Gast hat.

Ein Flugzeug mit französischen Parlamentariern musste allerdings auf dem Weg nach Berlin umkehren und wird mit etwa einer Stunde Verspätung eintreffen, weil einem der Abgeordneten schlecht wurde. "Sein Gesundheitszustand ist aber viel weniger beunruhigend, als es im ersten Moment schien", sagte der Präsident der französischen Nationalversammlung, Claude Bartolone.

Ebenso wie die Parlamente wollen auch die Regierungen eine Erklärung verabschieden, in der der besondere Charakter der Beziehungen hervorgehoben wird. Im Entwurf heißt es unter anderem, Europa stehe vor großen ökonomischen und politischen Herausforderungen. Die deutsch-französische Zusammenarbeit müsse gerade in Zeiten politischer und ökonomischer Krisen für ein weiteres Zusammenwachsen der Europäischen Union genutzt werden. "Dieses Zusammenwachsen darf nicht auf Wirtschafts- und Währungsfragen reduziert werden, sondern muss vor allem der Jugend in Europa eine neue Perspektive für Bildung, Beschäftigung und Wachstum geben."

Mit dem Elysee-Vertrag - benannt nach dem französischen Präsidialamt, wo er unterzeichnet wurde - hatten beide Länder am 22. Januar 1963 den Grundstein für eine enge Partnerschaft und weitreichende Zusammenarbeit gelegt. Unterzeichnet wurde er vom damaligen Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) und General Charles de Gaulle. Der Vertrag ist auch Grundlage dafür, dass sich die Regierungen der beiden wichtigsten europäischen Partner bis heute regelmäßig treffen und eng miteinander abstimmen.

Steinmeier wirft Merkel Arroganz gegenüber Paris vor

Im Vertrag legten sich Deutschland und Frankreich auch auf eine enge Zusammenarbeit in der Außen- und Verteidigungspolitik fest. Allerdings gibt es gerade in diesen Bereichen immer wieder auch Differenzen. Zu den Problemfeldern gehören auch der Euro sowie die Atomenergie.

"Eines ist wichtig: dass wir uns nicht im Stich lassen. Wir sind Partner", hatte Merkel schon am Vorabend Gemeinsam in einer Diskussion mit etwa 200 jungen Deutschen und Franzosen im Kanzleramt verdeutlicht. Ohne den Ausgangspunkt der deutsch-französischen Freundschaft wäre auch die deutsche Einheit nicht möglich gewesen, erklärte sie.

"Europa kommt in der Verteidigung zu langsam voran", bemängelte Hollande. Zugleich bedankte er sich für Deutschlands logistische Unterstützung beim Einsatz in Mali. Merkel sagte: "Es ist anachronistisch, dass wir in der Außen- und Verteidigungspolitik nicht enger zusammenrücken."

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Frank-Walter Steinmeier kritisierte die Haltung der Bundesregierung gegenüber Frankreich. Kanzlerin Merkel und ihre schwarz-gelbe Regierung pflegten "parteipolitische Vorbehalte" und verhielten sich arrogant gegenüber Paris, sagte Steinmeier der 'Passauer Neuen Presse'. Es habe "schon bessere Zeiten in den deutsch-französischen Beziehungen" gegeben. "Der deutsch-französische Motor stottert vernehmbar."

Wirtschaftlich ist Frankreich Deutschlands wichtigster Partner: Von Januar bis November 2012 wurden nach vorläufigen Daten des Statistischen Bundesamtes Waren im Wert von 97,5 Milliarden Euro dorthin exportiert. Zugleich führte Deutschland französische Waren im Wert von 60,2 Milliarden Euro ein. Seit 1961 ist Frankreich demnach ohne Unterbrechung der wichtigste Abnehmer für Deutschlands Exporteure.

In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov nannten 58 Prozent der Deutschen die Franzosen als den wichtigsten strategischen Partner in Europa. Umgekehrt sind es sogar 75 Prozent. Auf die Frage an die Deutschen, ob ihnen die französischen Nachbarn "sehr sympathisch" seien, antworteten 17 Prozent mit Ja, 39 Prozent fanden sie "eher sympathisch". Umgekehrt sagten nur acht Prozent der Franzosen, dass ihnen die Deutschen "sehr sympathisch" sind. 32 Prozent finden die Deutschen "eher sympathisch".


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